Daten, Disco, Drive-In-Tests: Die Wehringhauser Woche

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    Eine weitere Woche mit vielen Einschränkung ist vergangen. Und es liegen bestimmt noch einige vor uns. Ich merke selbst zunehmend, wie es an meinen Grenzen kratzt – doch ich bin noch immer guter Dinge: Zusammen werden wir das schaffen.

    Zunächst einmal ein Blick auf die trockenen Zahlen: Das Gesundheitsamt in Hagen meldet mit Stand heute 49 aktuell Covid-19-Erkrankte in der Stadt. Das sind „nur“ 7 mehr als vor einer Woche – verstorben an der Infektion ist zum Glück in Hagen zwischenzeitig niemand, die Zahl der „Geheilten“ stieg von 18 auf 45. Das bedeutet eine Zunahme der bekannten Gesamtinfektionen binnen einer Woche von 62 auf 96 – also um 55 Prozent.

    Allerdings sind diese Zahlen generell mit Vorsicht zu sehen. Viele Infektionen mit leichtem Verlauf werden nicht entdeckt. Auch sagt die Zahl nichts über die Erkrankten mit sehr schwerem Verlauf aus, die eine intensivmedizinische Betreuung benötigen. Und genau dort lauert die große Gefahr für unser Gesundheitssystem.

    Denn machen wir uns nichts vor: Die Lage ist sehr ernst. In einigen Länder verdoppeln sich die Fallzahlen binnen weniger Tage, auch in Europa gibt es mittlerweile tausende Tote und wenn wir etwas dagegen tun wollen, dass es immer schlimmer wird, werden wir noch einige Zeit mit deutlichen Einschränkungen leben müssen.

    Ich empfehle euch dazu unbedingt ein Video, das die Chemikerin und Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim vorgestern für das Youtube-Angebot funk von ARD und ZDF aufgenommen hat.

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    Auch NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann stellte in der heutigen Pressekonferenz des Landes die Aussagekraft der gemeldeten Zahlen in Frage: Alle Gesundheitsämter agieren anders und erheben sie teils sehr unterschiedlich. Ein weiteres großes Problem sieht er im Versagen der Märkte: Diese seien bei der Beschaffung von Schutzmaterialien zusammengebrochen.


    Auch in der Paulusgemeinde werden Gesichtsmasken genäht. (Foto: Stadt Hagen)

    Zum Schutz der Mitmenschen stimmt Laumann der Auffassung des RKI zu: Einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen grenzt das Infizieren anderer Menschen ein und schützt das Gegenüber. Auch in Hagen sind aber solche Masken knapp, daher ruft die Stadt seit Dienstag Tagen dazu auf, sie ehrenamtlich zu nähen und zu spenden.

    Weitere Infos dazu findet ihr hier.


    Was geht noch und was nicht?

    Viele Geschäfte, auch in Wehringhausen, bieten mittlerweile Lieferdienste an. Einen guten, wenn vielleicht mittlerweile auch etwas unübersichtlichen, Überblick über ganz Hagen bietet die Internetseite www.hagenliefert.de der Hagen-Agentur.

    Für Wehringhausen möchte ich ebenfalls gerne eine kleine Übersicht erstellen, damit wir den Händler*innen in unserer Nachbarschaft helfen können. Ihr wisst, welche Geschäfte im Viertel derzeit noch geöffnet haben, einen Liefer- oder Abholservice anbieten? Dann schreibt mir eine Mail! Die Übersicht gibt es stetig aktualisiert hier.

    Deutliche Einschränkungen gibt es beim HEB: Zwar werden die üblichen Tonnen bei euch zuhause wie gewohnt abgeholt. Die Anlieferung von Altpapier, Glas oder Sperrmüll ist jedoch deutlich reduziert. Die Marktsammlung in Wehringhausen findet weiterhin nicht statt; die Müllverbrennungsanlage sowie alle Wertstoffhöfe und die Kompostierungsanlage Donnerkuhle sind für Privatanlieferungen geschlossen; es werden keine Termine für die Sperrmüllabfuhr vergeben und auch alle Termine von Grün- und Strauchschnittsammlung sowie das Umweltmobil fallen bis auf Weiteres aus.

    An Lesematerial gegen die Langeweile soll es aber nicht mangeln: Alle inhaber*innengeführten Buchhandlungen in Hagen beliefern euch auf Bestellung weiterhin mit Lesestoff. Außerdem ist die „Onleihe“ der Hagener Stadtbücherei bis zunächst 30. April kostenlos.

    Besonders schwer treffen die Corona-Beschränkungen den Kulturbetrieb. Viele Kulturschaffende und deren Dienstleistende stehen vor dem Ruin. Die Hilfspakete der Bundesregierung wirken für diese Berufsgruppen kaum bis gar nicht, auch das Land NRW lässt die Kleinsten hilflos im Regen stehen. Einziger Ausweg: Ein Antrag auf, beschönigend in „Grundsicherung“ umbenanntes, Hartz IV.

    Durch das Coronavirus ist auch die Existenz des AllerWeltHaus Hagen bedroht. Das Kultur- und Bildungszentrum, der Weltladen und das Café Mundial mussten schließen. Somit kommen keine Einnahmen zustande. Die Arbeitsplätze sind gefährdet und damit das AllerWeltHaus insgesamt. Um wenigstens die nötigsten Kosten zu decken, gibt es bei startnext ein Crowdfounding bei dem ihr für die Einrichtung in der Innenstadt spenden könnt.

    Bereits in der vergangenen Woche hatte ich einige wichtige Telefonnummern aufgelistet. Eine lange Liste mit weiteren hilfreichen Kontakten aus Hagen findet ihr auf der Internetseite der Stadt.


    Drive-In-Test

    Das „Büdchen“ auf dem Friedensplatz in Altenhagen wird zum neuen Coronatestzentrum. (Foto: Stadt Hagen)

    Wie die Stadt Hagen heute mitteilt, sollen Tests auf das Corona-Virus bald einfacher möglich sein. Ab Montag soll das „Büdchen“ auf dem Friedensplatz in Altenhagen für ein so genanntes „Drive In-System“ dienen. Menschen mit Verdacht auf eine Infektion können in ihrem eigenen Auto an dem Gebäude vorbeigeführt werden, die Testung wird durch das geöffnete Autofenster vorgenommen.

    Wichtig! Auch weiterhin gilt: Eine Testung findet nur nach vorheriger Terminabsprache über die Hotline des Gesundheitsamtes unter Telefon 02331 / 207-3934 statt. Diese ist montags bis freitags von 7 bis 18 Uhr sowie am Wochenende von 8 bis 18 Uhr zu erreichen.


    Nachhaltiges Hagen: Kurzfilm zu Mobilität

    Im zweiten Teil der Reihe „Nachhaltiges Hagen“ geht es um Mobilität in unserer Stadt. (Screenshot: Jan Eckhoff)

    Am 31.3. ging der erste von drei Kurzfilmen zum Thema Nachhaltigkeit in Hagen online. „Eco City /// Life“ könnt ihr euch u.a. hier anschauen.

    An einem Adventswochenende 2019 war der ÖPNV in Hagen kostenlos. Dies sollte die Verkehrswende vorantreiben. Ob das Pilotprojekt erfolgreich war, Hagen wirklich eine Autostadt sein muss und welche Alternativen es gibt – diesen Fragen ist der zweite Teil der Serie „Nachhaltiges Hagen“ auf der Spur. Neben vielen „Straßeninterviews“ in der Innenstadt kommt auch Fabian von Fridays for Future ausführlich zu Wort. Ein weiteres spannendes Gespräch gibt es mit dem Hagener Radfahraktivisten Nicolai zu dem geplanten Projekt „CaRoll Rocket“, das mehr Menschen aufs Fahrrad bringen soll.

    „Nachhaltiges Hagen, Teil 2: Wie mobil?“ wird am kommenden Dienstag, 7. April, veröffentlicht. Anschauen könnt ihr euch den Film auch wieder auf wehringhausen.org – und via Facebook, Twitter und Telegram erinnere ich euch natürlich noch einmal.

    Die drei Kurzfilme sollen auf den „Digitalkongress“ von Hatopia am 25. April vorbereiten. Weitere Infos dazu folgen.


    Termine

    Zwar haben die Kultureinrichtungen auch in Hagen geschlossen – einige liefern aber weiterhin Programm.

    Vielelicht kommt der Hinweis etwas kurzfristig, aber die Zeiten sind schnell: Bereits am heutigen Freitag von 16 bis 18 Uhr könnt ihr euch bei der Pelmke zunächst mit ausreichend Flüssigkeit fürs Wochenende eindecken. Um die Vorräte vor dem MHD-Verfall zu bewahren,  findet dort ein Getränkeverkauf statt. Die Liste der verfügbaren Getränke gibt es online, eine Vorbestellung sowie einen individuellen Abholtermin müsst ihr per Mail an info@pelmke.de vereinbaren.

    Und auch Programm liefert die Pelmke in der Krise: Am morgigen Samstag, 4. April, erwartet euch bei der „The Decade Online Edition“ Musik aus dem 80s Underground. Live gestreamt wird ab 20 Uhr auf Twitch. Natürlich freut sich die Pelmke über Spenden in den virtuellen Paypal-Hut.

    Und auch das Theater Hagen versorgt euch daheim mit einem regelmäßigen Programm: Täglich gibt es Livestreams, Videoaufzeichnungen und Podcasts.


    Und sonst …

    Trotz aller Appelle, trotz der Dringlichkeit der Situation, trotz tausender Toter: Die Ignoranz mancher Menschen auch in unserer Stadt scheint unendlich. In der vergangenen Nacht um 2 Uhr musste die Polizei in der Hochstraße eine lautstarke Party mit mehreren Personen zwischen 28 und 31 Jahren auflösen. Argument des Wohnungsmieters: Da man ihn nicht persönlich informiert habe, hätte er nichts von einem Verbot gewusst.

    Nun drohen saftige Strafen. In diesem Sinne: Passt bitte auf eure Mitmenschen auf und haltet etwas Abstand – auch wenn das bei dem angekündigten herrlichen Wetter am Wochenende bestimmt nicht einfach wird.


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