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Die Arbeiten zur Aufwertung von Wehringhausen kommen einen weiteren Schritt voran. Am 24. August und am 28. August stehen zwei weitere „Übergabetermine“ auf der Agenda.

Der Ortsteil mit seiner vorwiegend gründerzeitlichen, also um 1890/1910 entstandenen Blockbebauung stellt im Hagener Stadtgefüge eine Besonderheit dar, allein schon in Bezug auf die kunsthistorische Bedeutung und die Größe. Zwar ist ein bisschen vom „alten Lack“ ab, aber die Gegend zwischen Augusta- und Buscheystraße, zwischen Innenstadtring und Rehstraße versprüht immer noch viel Flair und Atmosphäre. Um den besonderen „Wehringhauser Geist“ nicht nur beibehalten, sondern auch stärken oder gar verbessern zu können, wurde bereits 2008 von der Stadt Hagen ein „Integriertes Handlungskonzept“ (IHK 2008) erstellt. Das IHK war wiederum die Grundlage dafür, den Stadtteil in das Städtebauförderprogramm „Soziale Stadt“ aufnehmen zu können.

Denn Wehringhausen hat zwar in großen Teilen ein besonderes Flair, aber dieses Lob darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich auch zahlreiche Missstände im Quartier angehäuft haben. Zu den Missständen, die 2008 festgestellt wurden, gehörten unter anderem die problematische Verkehrs- und Parksituation, fehlende Freiflächen, ein Mangel an Beschäftigungsmöglichkeiten, mehrere „Angsträume“, kaputte Spielplätze, eine nicht ausreichend gelungene soziale und ethnische Integration sowie eine mangelhafte Ausstattung vieler Wohnungen. Etliche inzwischen eher marode Immobilien, eine relativ hohe Anzahl von Drogen- und Alkoholkonsumenten sowie Zuwanderungsprobleme sind mittlerweile weitere „Problemfelder“, die nicht vernachlässigt werden dürfen.

Auf all‘ diesen Erkenntnissen aufbauend, hat die Stadt Hagen zunächst unter Beteiligung einiger Wehringhauser Bürger*innen sogenannte „Masterpläne“ für Freiraum und Verkehr sowie ein Spielraumkonzept erarbeitet.

Im Jahr 2012 erfolgte dann der nächste Meilenstein: Der Stadtteil fand Aufnahme in das Förderprojekt „Soziale Stadt“, so dass fortan millionenschwere Zuwendungen aus Städtebauförderungsmitteln nach Wehringhausen fließen konnten und können. Mit dem Geld sollten und sollen einige der beschriebenen Missstände behoben werden. Ferner war das Geld aber auch dazu gedacht, das traditionsreiche, jedoch eher im Verborgenen schlummernde „Kreativ-Quartier“ aus dem Dornröschenschlaf zu holen sowie die „lokale Ökonomie“ und die „Imagearbeit“ zu verbessern.

Damit diese Vorhaben vor Ort leichter umgesetzt werden können und damit Ansprechpartner vorhanden sind, wurde zusätzlich 2014 im Ladenlokal Lange Straße 22 ein „Quartiersmanagement“ (QM) aus der Taufe gehoben, dessen Team derzeit aus fünf Teilzeitmitarbeitern besteht. Außerdem wurde das 2008 entstandene IHK fortgeschrieben – angereichert mit weiteren Projekten und Maßnahmen beschreibt es als Integriertes Stadtteilentwicklungskonzept (INSEK 2027) die Ziele, die möglichst bis zum Jahr 2023 erreicht werden sollen. Eingebunden in die Arbeit sind – neben QM und Stadtverwaltung – beispielsweise ein Stadtteilgremium („Lenkungskreis“) und themenspezifische Arbeitsgruppen. Damit soll das „bürgerschaftliche Engagement“ gestärkt werden. Für dieses Engagement gibt es wiederum einen Verfügungsfonds, der stadtteilbezogene Projekte vor Ort möglich macht.

Viele Maßnahmen sind erfolgt

Vieles ist in den vergangenen Jahren geschehen. So wurden zahlreiche Hausfassaden verschönert, etliche Kunstwerke und „Erklärschilder“ angebracht, mehrere Spielplätze (Rehstraße, Dömbergstraße) auf einen zeitgemäßen Stand gebracht und Maßnahmen zur Verbesserung der Stadtsauberkeit ergriffen.

Ein wesentlicher Teil der Zuschüsse floss jedoch in größere Baumaßnahmen, hierzu gehört schlussendlich auch der Ankauf und die damit verbundene Renovierung (oder der Abriss) sogenannter „Problemimmobilien“. Bei einem Ortstermin am 7. August verschafften sich Oberbürgermeister Erik O. Schulz, Stadtbaurat Henning Keune, Sozialdezernentin Margarita Kaufmann und Bezirksbürgermeister Ralf Quardt zwischen Lange Straße und Bodelschwinghplatz einen kleinen Eindruck vom bislang Erreichten. Begleitet wurden sie von Vertretern der zuständigen städtischen Fachbereiche und des Quartiersmanagements.

Die „Delegation“ aus dem Hagener Rathaus nahm unter anderem verschiedene Baumaßnahmen an der Lange Straße, die Grün- und Freizeitanlage „Bohne“ an der Wehringhauser Straße, den Angstraum „Eisenbahntunnel Bodelschwinghplatz“ und den im Umbau befindlichen Wilhelmsplatz unter die Lupe. Vorgestellt wurde beispielsweise, wie der Tunnel noch im Jahr 2020 umgebaut werden soll; hiermit verbunden ist an dieser Stelle auch ein Umbau der Augustastraße, der dazu führen wird, dass der motorisierte Individualverkehr keine Durchfahrtsrechte mehr genießt. Für die Jahre 2021 und 2022 stehen unter anderem die Aufwertung mehrerer Schulhöfe, das Thema „barrierefreies Wehringhausen“ und eine weitere Umgestaltung des Außengeländes an der Villa Post auf der Tagesordnung.

Wilhelmsplatz und Schilder

Besonders erfreut zeigten sich OB Schulz & Co. von der Renovierung mehrerer bisheriger Problemimmobilien am Bodelschwinghplatz, an der Augustastraße und an der Lange Straße sowie von der Umgestaltung des Wilhelmsplatzes. Die Arbeiten am Platz sind so weit vorangeschritten, dass der geplanten Eröffnung am 28. August wohl nichts mehr im Wege stehen wird. Der Umbau des Platzes wird die Aufenthaltsqualität im Herzen des Stadtteils deutlich verbessern.

Ein weiterer öffentlicher Termin, der einem „stadtteilbezogenen Bürgerprojekt“ gilt, ist am Montag, 24. August, vorgesehen: Dann stellt der Hagener Heimatbund (HHB) seine neuesten „Erklärschilder“ und einen Flyer vor. Seit einigen Jahren ist der HHB bemüht, wichtige Wehringhauser Bauten mit Infotafeln zur Geschichte auszustatten. Mit Hilfe des Lenkungskreises erhielt der HHB in diesem Jahr genügend Geld, um ein weiteres Dutzend solcher Erklärschilder erstellen zu können. Am Haus Lange Straße 31 (früher „Gaststätte Goldener Hahn“) erfolgt um 11 Uhr die offizielle Vorstellung der neuen Tafeln. Dann wird außerdem ein von Jan Eckhoff entworfener Flyer erscheinen, der über alle bisherigen Erklärschilder-Standorte informiert.