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Bundesweit nimmt die dritte Welle der Corona-Pandemie immer weiter an Fahrt auf. Auch in Hagen steigen die Fallzahlen an. Der Großteil der Fälle geht auf Mutationen des Virus zurück, bei viele Ansteckungen kann die Quelle nicht ermittelt werden. Die 7-Tages-Inzidenz ist auf dem höchsten Stand seit über fünf Wochen. Immer mehr Schulen und Kitas müssen wegen erkrankten Personen schließen. Doch es gibt auch gute Nachrichten: Mittlerweile haben mehr als zehn Prozent der Hagener:innen mindestens die erste Impfung gegen COVID-19 erhalten und heute konnte nach vier Tagen Pause auch die Immunisierung mit dem Vakzin von AstraZeneca wieder aufgenommen werden. Die Zahl der Todesfälle in Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt deutlich niedriger als in den Vorwochen.

Am gestrigen Donnerstag hat die Stadt zum zweiten Mal eine umfassende Corona-Wochenstatistik veröffentlich, diesmal für den Zeitraum von 10. bis 16. März. Deutlich stärker betroffen von Neuinfektionen waren demnach die Altersgruppen ab 60 Jahren mit 19,7 Prozent (Vorwoche: 11,0 Prozent). Der Anteil der Kinder und Jugendlichen ging hingegen spürbar zurück. 12,0 Prozent (Vorwoche: 14,2 Prozent) der Neuerkrankten waren Kinder im Vorschul- oder Grundschulalter bis maximal 10 Jahre, Jugendliche von 11 bis 20 Jahren machten sogar nur 6,6 Prozent (Vorwoche: 10,0 Prozent) aus. Ein erheblicher Teil der Neuinfektionen liegt mit 38,3 Prozent (Vorwoche: 33,0 Prozent) weiterhin bei den 21- bis 40-Jährigen. Knappe jede:r vierte Infizierte, 23,5 Prozent (Vorwoche: 27,4 Prozent), war zwischen 41 und 60 Jahren alt.

Grafik: Stadt Hagen

Der Anteil des „diffusen“ Infektionsgeschehen stieg deutlich an: Bei 26,7 Prozent der Fälle (Vorwoche: 17,7 Prozent) aller Infektionen konnte die Quelle der Ansteckung nicht ermittelt werden. 3,2 Prozent (Vorwoche: 9,5 Prozent) der Personen steckten sich am Arbeitsplatz an, 1,1 Prozent (Vorwoche: 7,3 Prozent) in Schule oder Kita und 13,9 Prozent (Vorwoche: 6,8 Prozent) im medizinischen bzw. pflegerischen Bereich. Mit 55,1 Prozent (Vorwoche: 58,6 Prozent) erfolgte weiterhin mehr als jede zweite Ansteckung nachweislich im privaten Umfeld, also zu Hause oder bei Treffen mit Freund:innen und Verwandten.

In ihrer Statistik nennt die Stadt Hagen ebenfalls die Infektionszahlen nach Stadtbezirk. Deren Aussagekraft möchte ich allerdings an dieser Stelle erneut deutlich in Frage stellen, denn die Mobilität innerhalb unserer Stadt und zwischen den Bezirken ist sehr hoch. Wer in Hohenlimburg wohnt, arbeitet in der Innenstadt, wer in Haspe in die Schule geht, wohnt in Wehringhausen usw. Auch die Einwohnerzahl ist dazu kaum vergleichbar. Der auf den ersten Blick dramatisch wirkende anstieg der Inzidenz in Eilpe/Dahl auf 170,0 (Vorwoche: 72,9) wurde durch lediglich 16 mehr Infizierte als in der Vorwoche verursacht. In Haspe hingegen sorgten 21 Neuinfektionen weniger direkt für ein Absinken der Inzidenz auf 117,7 (Vorwoche: 188,3). Solche Schwankungen sind kaum zu vermeiden und mir erschließt sich nicht, warum man sie überhaupt angeben sollte. Ich werde daher künftig darauf verzichten. Wer mag, findet sie aber bei der Stadt.

Kostenlose Schnelltests

Alle Bürger:innen in NRW haben die Möglichkeit, einmal pro Woche einen kostenlosen Corona-Schnelltest durchführen zu lassen. Diese erfolgen durch medizinisch geschultes Personal in einer stetig wachsenden Zahl von Test-Centern. Testen lassen darf sich nur, wer keine Symptome hat und nicht direkte Kontaktperson einer:s Infizierten ist. In diesen Fällen sind hausärztliche Praxen oder das Gesundheitsamt zuständig. Sollte ein Schnelltest positiv sein, muss ein Labortest erfolgen.

In Hagen gibt es derzeit 18 Test-Center. Davon befindet sich leider keines in Wehringhausen, jedoch mehrere in der Innenstadt sowie in Haspe. Eine stets aktuelle Liste mit allen Infos zur Terminvergabe gibt es auf hagen-testet.de.

Kennzahlen zur Pandemie in Hagen in den vergangenen sieben Tagen

Seit Samstag, 13. März 2021, sind in Hagen 4 (Vorwoche: 13) Todesfälle in Zusammenhang mit einer Corona-Infektion gemeldet worden – die zweite Woche ein Folge ein deutlicher Rückgang. Die Gesamtzahl der Toten steigt damit auf 257 seit Beginn der Pandemie. In der vergangenen Woche wurden insgesamt 235 (Vorwoche: 217) Neuinfektion registriert. Die Wocheninzidenz liegt laut Zählung der Stadt Hagen heute bei 124,5 (Vorwoche: 115,0). Aktuell gelten in Hagen 399 (Vorwoche: 371) Personen offiziell als ansteckend und befinden sich zusammen mit ihren nächsten Kontaktpersonen in Quarantäne.

Nach Angaben des RKI liegt Hagen heut auf Platz 10 (Vorwoche: 6) der Städte/Kreise mit der höchsten Inzidenz in Nordrhein-Westfalen. Bundesweit fallen wir trotz der gestiegenen Inzidenz auf Platz 89 (Vorwoche: 61).

Auf den Hagener Intensivstationen wurden in der vergangenen Woche täglich im Schnitt 13 (Vorwoche: 175) schwersterkrankte COVID-19-Patient:innen behandelt, von denen durchschnittlich 7 (Vorwoche: 11) invasiv beatmet werden mussten. Von den durchschnittlich 80 (Vorwoche: 80) Intensivbetten in Hagen standen täglich etwa 6 (Vorwoche: 7) zur Verfügung, was 7,5 Prozent entspricht. Weniger als 15 Prozent freie Intensivbetten stuft das RKI als kritisch ein.

Mehr als 10 Prozent in Hagen geimpft

Laut Angaben der KVWL haben bislang 18.705 (Vorwoche: 15.441) Hagener:innen die erste Schutzimpfung gegen COVID-19 bekommen. Die zweite Impfung haben bereits 4.512 (Vorwoche: 5.611) Personen erhalten. In diesen Zahlen sind allerdings „nur“ die Impfungen im Hagener Impfzentrum und durch die mobilen Teams der KVWL in Alten- und Pflegeeinrichtungen enthalten. Zusätzlich sind aktuell jeweils etwa 2.000 weitere Erst- und Zweitimpfungen des Hagener Krankenhauspersonals erfolgt – damit sind mittlerweile also deutlich mehr als 10 Prozent der Hagener Bevölkerung gegen COVID-19 geimpft. Und das, obwohl von Montag bis Donnerstag dieser Woche keine Impfungen mit dem Vakzin von AstraZeneca erfolgen durften.

Die Zahl der Erstgeimpften in unserer Stadt beträgt mittlerweile übrigens auch mehr als das Doppelte derer, die sich innerhalb des vergangenen Jahres nachweislich mit Corona infiziert haben: das sind mit heutigem Stand 8.177 Personen.

Um die Impfung älterer Menschen zu beschleunigen, können Personen ab 80 Jahren durch ein Sonderkontingent des Landes ab sofort Impftermine über terminland.de/impfzentrum-hagen erhalten. Gleichzeitig besteht in diesem Zuge auch die Möglichkeit, Termine, die ab dem 12. April vereinbart wurden, vorzuverlegen. 

Kitas und Schulen

In Hagen waren auch in der vergangenen Woche mehrere Schulen und Kitas von COVID-19-Infektionen betroffen. Zu neuen Quarantänemaßnahmen kam es an Gesamtschule Eilpe, Grundschule Goldberg (Oberhagen), Grundschule Im Kley (Hohenlimburg) und Hildegardis-Gymnasium (Höing). Nach der Schließung einzelner Gruppen in der vergangenen Woche musste die Kita Zwergenhütte (Haspe) nun komplett geschlossen werden. Ebenfalls komplett geschlossen werden musste die kath. Kita Christ-König (Boelerheide). In der ev. Kita „Unterm Sternenzelt“ (Kabel) sowie der ev. Kita Dreifaltigkeit (Eppenhausen) wurde jeweils eine Gruppe geschlossen.

„Südfrikanische“ Mutation: Weitere Fälle

Nachdem das Gesundheitsamt der Stadt Hagen zunächst davon ausgegangen war, die Ansteckung mit der zuerst in Südafrika entdeckten Variante B.1.351 des Coronavirus gestoppt zu haben, sind am Donnerstag, 18. März, vier weitere Fälle dieser Mutation in Hagen veröffentlicht geworden. Alle Ansteckungen stehen in Zusammenhang mit dem ersten Fall, einen Reiserückkehrer aus Sansibar. Eine Person, die mit Vollschutz unter Berücksichtigung hoher Hygienemaßnahmen in Kontakt mit diesem „Indexfall“ war, hatte sich offensichtlich trotzdem nach einer 17-tägigen Inkubationszeit angesteckt. Die Virenlast war allerdings so gering, dass eine variantenspezifische Testung zunächst keinen Hinweis auf die Mutation ergab. Die Mutation ließ sich jedoch anschließend bei der Infektion von drei ihrer Haushaltsangehörigen nachweisen.  Die vier betroffenen Personen hatten keine beziehungsweise nur sehr wenige Kontakte. Das Gesundheitsamt hat diese identifiziert, getestet und präventiv weitläufig Quarantäne angeordnet, um den Ausbruch mit der südafrikanischen Mutation nun hoffentlich zu stoppen.

Museen öffnen, sonst nix

Die städtischen Museen – Kunstquartier mit Osthaus- und Schumacher-Museum, Hohenhof und Museum für Ur- und Frühgeschichte im Wasserschloss Werdringen – öffnen ab Montag wieder. Für den Besuch ist eine Voranmeldung nötig, es gelten strenge Hygienebedingungen. Auch das Stadtarchiv hat ab Montag nach Voranmeldung wieder geöffnet.

Weitere Öffnungen, wie von der Coronaschutzverordnung des Landes NRW ab Montag, 22. März, bei stabiler oder sinkender Inzidenz in Aussicht gestellt, wird es landesweit nicht geben. Damit bleiben auch in Hagen die Außengastronomie, Theater, Kinos und Sporteinrichtungen geschlossen.

Blick über die Stadtgrenze

Die durchschnittliche Wocheninzidenz in Nordrhein-Westfalen ist laut MAGS innerhalb einer Woche weiterhin drastisch auf 96,4 (Vorwoche: 73,2) gestiegen – und damit innerhalb von zwei Wochen um über 30. Am stärksten betroffen ist nach Angaben des RKI der Märkische Kreis (188,7), gefolgt von Herne (160,4) und Wuppertal (143,3). In NRW liegen nun laut RKI 21 (Vorwoche: 10) Städte/Kreise über der Inzidenz von 100. Unterhalb der Marke 50 liegen heute nur noch 2 (Vorwoche: 9) Kreise/Städte, das sind 3,8 Prozent. Unter eine Wocheninzidenz von 35, die für weitere Lockerungen entscheidend sein wird, kommen mittlerweile keine Städte/Kreise (Vorwoche: 3) in NRW, was 0,0 Prozent entspricht. In Hagens Nachbarschaft sind die Inzidenzen innerhalb einer Woche förmlich explodiert: Stadt Dortmund 92,8 (+29,9); Kreis Unna 70,9 (+11,6); Ennepe-Ruhr-Kreis 92,6 (+35,5); Märkischer Kreis 188,7 (+49,7).

Bundesweit steigt die durchschnittliche Inzidenz weiter auf 95,6 (Vorwoche: 72,4). In ganz Deutschland haben wieder 22 (Vorwoche: 8) Städte/Kreise bzw. 5,3 Prozent eine extreme Infektionslage oberhalb einer Inzidenz von 200, 150 (Vorwoche: 88) bzw. 36 Prozent liegen über 100. Die Zahl der deutschen Städte und Kreise unterhalb einer Wocheninzidenz von 50 sinkt weiter deutlich auf nur noch 55 (Vorwoche: 126) bzw. 13 Prozent. Insgesamt nur 19 (Vorwoche: 45) und damit 4 Prozent aller Städte/Kreise haben derzeit noch die Inzidenz von 35 unterschritten.

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