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In Hagen steigen, wie fast überall in Deutschland, die Corona-Infektionen immer weiter an. Immer mehr Fälle gehen dabei auf die „britische“ Mutation B.1.1.7 zurück – nachweislich mittlerweile über 80 Prozent aller Neuinfektionen in Hagen. Von den Infektionen sind immer mehr jüngere Menschen betroffen. Auch an einigen Schulen und Kindergärten kam es wieder zu Quarantänemaßnahmen. Die Impfungen in Hagen gehen weiter, jedoch mit viel zu langsamem Tempo – aktuell würden wir eine Herdenimmunität erst 2022 erreichen. Ab Montag werden die Corona-Regeln in Hagen noch einmal deutlich verschärft. Die gute Nachricht: Die Zahl der Verstorbenen in Zusammenhang mit einer COVID-19-Erkrankung ist weiterhin, verglichen mit den letzten Monaten, auf niedrigem Stand.

Aus der dritten umfassenden Corona-Wochenstatistik der Stadt Hagen, die diesmal für den Zeitraum von 17. bis 23. März vorliegt, lässt sich der Zuwachs von Infektionen bei jüngeren Altersgruppen gut erkennen. Von den 330 Neuerkrankten in diesem Zeitraum waren 43 Personen 60 Jahre oder älter, was 13,0 Prozent (Vorwoche: 19,7 Prozent) entspricht. Der Anteil der Kinder und Jugendlichen steigt spürbar: Alleine 54 Kinder im Vorschul- oder Grundschulalter bis 10 Jahren haben sich neu angesteckt, was 16,4 Prozent (Vorwoche: 12,0 Prozent) entspricht. Jugendliche von 11 bis 20 Jahren machen mit 24 Fällen jetzt 7,3 Prozent (Vorwoche: 6,6 Prozent) aus. Ein erheblicher Teil der Neuinfektionen liegt mit 123 Fällen bzw. 37,3 Prozent (Vorwoche: 38,3 Prozent) weiterhin bei den 21- bis 40-Jährigen. Mit 86 Personen in dieser Altersgruppe war rund jede:r vierte Infizierte bzw. 26,1 Prozent (Vorwoche: 23,5 Prozent) zwischen 41 und 60 Jahren alt.

Aktuell arbeite ich daran, die Infektionszahlen nach Alter des RKI auszuwerten, diese sind in den Altersgruppen etwas spezifischer als die der Stadt Hagen. Erste aussagekräftige Ergebnisse daraus werde ich wohl in der kommenden Woche haben.

Grafik: Stadt Hagen

Der Anteil des „diffusen“ Infektionsgeschehen wird mit zunehmenden Infektionen immer größer: Bei 31,8 Prozent (Vorwoche: 26,7 Prozent) aller Infektionen konnte die Quelle der Ansteckung durch die Behörden nicht ermittelt werden. 5,8 Prozent (Vorwoche: 3,2 Prozent) der Personen steckten sich am Arbeitsplatz an, 4,1 Prozent (Vorwoche: 1,1 Prozent) in Schule oder Kita und 2,3 Prozent (Vorwoche: 13,9 Prozent) im medizinischen bzw. pflegerischen Bereich. Mit 56,0 Prozent (Vorwoche: 55,1 Prozent) erfolgte weiterhin mehr als jede zweite Ansteckung nachweislich im privaten Umfeld, also zu Hause in der Familie oder bei Treffen mit Freund:innen und Verwandten.

Kostenlose Schnelltests

Alle Bürger:innen in NRW haben die Möglichkeit, einmal pro Woche einen kostenlosen Corona-Schnelltest durchführen zu lassen. Diese erfolgen durch medizinisch geschultes Personal in einer stetig wachsenden Zahl von Test-Centern. Testen lassen darf sich nur, wer keine Symptome hat und nicht direkte Kontaktperson einer:s Infizierten ist. In diesen Fällen sind hausärztliche Praxen oder das Gesundheitsamt zuständig. Sollte ein Schnelltest positiv sein, muss ein Labortest erfolgen.

In Hagen gibt es derzeit 19 Test-Center. Davon befindet sich leider keines in Wehringhausen, jedoch mehrere in der Innenstadt sowie in Haspe. Eine stets aktuelle Liste mit allen Infos zur Terminvergabe gibt es auf hagen-testet.de.

Kennzahlen zur Pandemie in Hagen in den vergangenen sieben Tagen

Seit Samstag, 20. März 2021, sind in Hagen erneut 4 (Vorwoche: 4) Todesfälle in Zusammenhang mit einer Corona-Infektion gemeldet worden. Die Gesamtzahl der Toten steigt damit auf 261 seit Beginn der Pandemie. In der vergangenen Woche wurden insgesamt 400 (Vorwoche: 235) Neuinfektion registriert. Die Wocheninzidenz liegt laut Zählung der Stadt Hagen heute bei 212,0 (Vorwoche: 124,5). Aktuell gelten in Hagen 593 (Vorwoche: 399) Personen offiziell als ansteckend und befinden sich, wie auch ihre nächsten 882 Kontaktpersonen, in Quarantäne.

Nach Angaben des RKI liegt Hagen heut auf Platz 4 (Vorwoche: 10) der Städte/Kreise mit der höchsten Inzidenz in Nordrhein-Westfalen. Bundesweit sind wir binnen einer Woche auf Platz 38 (Vorwoche: 89) geklettert.

Auf den Hagener Intensivstationen wurden in der vergangenen Woche täglich im Schnitt 13 (Vorwoche: 13) schwersterkrankte COVID-19-Patient:innen behandelt, von denen durchschnittlich 6 (Vorwoche: 7) invasiv beatmet werden mussten. Von den durchschnittlich 82 (Vorwoche: 80) Intensivbetten in Hagen standen täglich etwa 7 (Vorwoche: 6) zur Verfügung, was 8,5 Prozent entspricht. Weniger als 15 Prozent freie Intensivbetten stuft das RKI als kritisch ein.

Viel zu wenig Impfungen

Laut Angaben der KVWL haben bislang 22.941 (Vorwoche: 18.705) Hagener:innen die erste Schutzimpfung gegen COVID-19 bekommen. Die zweite Impfung haben 6.856 (Vorwoche: 5.611) Personen erhalten. In diesen Zahlen sind allerdings „nur“ die Impfungen im Hagener Impfzentrum und durch die mobilen Teams der KVWL in Alten- und Pflegeeinrichtungen enthalten. Zusätzlich sind aktuell jeweils gut 2.000 weitere Erst- und Zweitimpfungen des Hagener Krankenhauspersonals direkt an dessen Arbeitsstellen erfolgt.

In der vergangenen Woche haben 5.481 Personen in Hagen eine Erst- oder Zweitimpfung erhalten, was 783 Impfungen pro Tag entspricht. Für eine „Herdenimmunität“ gegen COVID-19 müssten 70 Prozent der Bevölkerung komplett geimpft werden. In Hagen also etwa 132.080 Personen. Um das zu erreichen sind noch 109.139 Erst- und 125.224 Zweitimpfungen nötig. Dafür bräuchten wir beim aktuellen Tempo etwa 299 Tage – also bis zum 19. Januar 2022. Bleibt zu hoffen, dass auch in Deutschland bald mehr Impfstoff zur Verfügung steht und bürokratische Hürden endlich deutlich abgebaut werden.

Kitas und Schulen

In Hagen waren auch in der vergangenen Woche mehrere Schulen und Kitas von COVID-19-Infektionen betroffen. Zu neuen Quarantänemaßnahmen kam es an Astrid-Lindgren-Gemeinschaftsgrundschule (Eilpe), Funckeparkschule (Höing), Grundschule Boloh (Eppenhausen), Kath. Meinolf-Grundschule (Ischeland) sowie der Kaufmannsschule 1 (Innenstadt). Bereits in der zweiten Wochen wurden Infektionen vom Kath. Hildegardis-Gymnasium (Höing) gemeldet. Komplett geschlossen werden musste die Kath. Kita St. Konrad (Haspe). In der Kath. Kita St. Christophorus (Innenstadt) und der Kita „Kabeler Knirpse“ wurde jeweils eine Gruppe geschlossen.

Aufgrund der hohen Infektionszahlen befinden sich die Kindergärten und Schulen in Hagen seit Mittwoch, 24. März, wieder in einem eingeschränkten Pandemiebetrieb.

Corona-Notbremse tritt in Kraft, Hagen beschränkt Treffen im privaten Raum, Maskenpflicht im Auto

Das Land NRW hat am heutigen Freitag die ab Montag, 29. März, gültige neue Coronaschutzverordnung erlassen. Diese sieht folgende Neuerungen im Vergleich zu den geltenden Regelungen vor:

  • Wieder erlaubt sind Schwimmkurse für Anfänger:innen und Kleinkinder in Gruppen von höchstens fünf Kindern.
  • Ebenfalls wieder erlaubt sind für Jagd und Fischerei erforderliche Prüfungen in Präsenz.
  • Botanische Gärten, Garten- und Landschaftsparks dürfen wieder öffnen. Ggf. ist eine vorherige Anmeldung nötig.
  • Auch Sonnenstudios dürfen wieder öffnen. Kann dort keine Schutzmaske getragen werden, ist ein aktueller, negativer Coronatest erforderlich.

Liegt eine Stadt oder ein Landkreis mehr als drei Tage über einer Inzidenz von 100 – also auch Hagen – treten allerdings die folgenden Verschärfungen in Kraft:

  • In der Öffentlichkeit dürfen sich ausschließlich die Personen eines Hausstandes mit einer weiteren Person treffen. Über Ostern (1. bis 5. April) ist davon abweichend ein Treffen von höchstens fünf Personen aus maximal zwei Hausständen erlaubt.
  • Büchereien und Bibliotheken dürfen nur für die Abholung bestellter Medien öffnen.
  • Museen, Galerien, Denkmäler und ähnliche dürfen nicht öffnen.
  • Maximal zehn Kinder bis 14 Jahren dürfen gemeinsam unter Aufsicht Sport im Freien betreiben.
  • In Zoos, Landschaftsparks u.ä. bleiben Innenräume geschlossen.
  • Mit Ausnahme vom Handel mit Gütern des täglichen Bedarfs (Lebensmittel, Drogerieartikel, Tiernahrung etc.) darf der Einzelhandel nicht öffnen. Lieferung und Abholung sind aber weiterhin erlaubt.
  • Sogenannte „körpernahe Dienstleistungen“ und Handwerksleistungen, bei denen nicht mindestens 1,5 Meter Abstand eingehalten werden können, sind verboten. Ausnahme: medizinisch notwendige Leistungen, Frisiersalons, nichtmedizinische Fußpflege, gewerbsmäßige Personenbeförderung.

Den genauen Tag, an dem in einem Kreis oder einer kreisfreien Stadt die Notbremse gezogen wird, teilt das Land NRW gesondert mit. Ebenso den Tag, an dem diese wieder gelockert wird – üblicherweise, wenn die Inzidenz mehr als drei Tage in Folge unter 100 liegt. Kreise und kreisfreie Städte, die über ein ausreichendes, flächendeckendes und ortsnahes Angebot zur Vornahme kostenloser Schnelltests verfügen, können mit Genehmigung des Landes die Notbremse lockern. Dann ist zur Wahrnehmung der entsprechenden Angebote jedoch stets ein aktueller, negativer Schnelltest nötig.

Die Stadt Hagen verschärft die Regelungen hingegen ab Montag auch noch einmal weiter. Zusätzlich zu den bestehenden Regelungen in Hagen (Maskenpflicht im öffentlichen Raum, Kitas im Pandemiebetrieb etc.) gilt ab dem 29. März:

  • Auch im Privaten Raum (Wohnung, eigener Garten etc.) dürfen sich die Mitglieder eines Hausstandes nur noch mit einer weiteren Person treffen. Kinder bis 14 Jahren werden dabei nicht mitgezählt.
  • Für Ostern (1. bis 5. April) gilt die Ausnahme, dass sich auch im privaten Raum maximal fünf Personen aus höchstens zwei Haushalten treffen dürfen. Paare gelten immer als ein Hausstand, auch wenn sie getrennt wohnen, Kinder bis 14 werden nicht mitgezählt.
  • Wie bereits bei Beerdigungen sind in Hagen nun auch bei Hochzeiten unter freiem Himmel maximal 30 Personen erlaubt, Kinder bis 14 nicht mitgezählt.
  • Auch in privaten PKWs, in denen sich Personen aus mehr als einem Haushalt befinden, gilt nun eine Maskenpflicht. Davon ausgenommen sind die fahrende Person sowie Kinder im Vorschulalter.

Blick über die Stadtgrenze

Die durchschnittliche Wocheninzidenz in Nordrhein-Westfalen ist laut MAGS innerhalb einer Woche weiterhin drastisch auf 121,6 (Vorwoche: 96,4) gestiegen – und damit innerhalb von zwei Wochen um beinahe 50. Am stärksten betroffen ist nach Angaben des RKI weiterhin der Märkische Kreis (233,0), gefolgt vom Kreis Lippe (229,9) und Remscheid (212,9). In NRW liegen nun laut RKI 35 (Vorwoche: 21) Städte/Kreise über der Inzidenz von 100, davon 5 (Vorwoche: 0) sogar über der Inzidenz von 200. Unterhalb der Marke 50 liegt heute nur noch 1 (Vorwoche: 2) Kreise. Unter eine Wocheninzidenz von 35 kommt weiterhin keine Stadt und kein Kreis in NRW. In Hagens Nachbarschaft schießen die Inzidenzen ebenfalls weiterhin in die Höhe: Stadt Dortmund 117,1 (+24,3); Kreis Unna 94,7 (+23,8); Ennepe-Ruhr-Kreis 114,2 (+21,6); Märkischer Kreis 233,0 (+44,3).

Bundesweit steigt die durchschnittliche Inzidenz weiter auf 119,1 (Vorwoche: 95,6). In ganz Deutschland haben wieder 41 (Vorwoche: 22) Städte/Kreise bzw. 10,0 Prozent eine extreme Infektionslage oberhalb einer Inzidenz von 200, insgesamt 240 (Vorwoche: 150) bzw. 58 Prozent liegen über 100. Die Zahl der deutschen Städte und Kreise unterhalb einer Wocheninzidenz von 50 sinkt weiter deutlich auf nur noch 24 (Vorwoche: 55) bzw. 5 Prozent. Insgesamt nur 6 (Vorwoche: 19) und damit 1 Prozent aller Städte/Kreise haben derzeit noch die Inzidenz von 35 unterschritten.

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