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Seit gestern ist Hagen nun so dauerhaft unter der 7-Tage-Inzidenz von 100, dass erste Lockerungen der Corona-Regeln möglich sind: Die Außengastronomie und der Einzelhandel können wieder öffnen, ab Montag sind auch Schulen und Kitas wieder im normalen Betrieb. Und die Infektionszahlen in Hagen sinken weiter – wenn auch deutlich langsamer als in anderen Teilen von NRW und Deutschland.

Grafik: Stadt Hagen

Aus der dreizehnten Corona-Wochenstatistik der Stadt Hagen, die diesmal für den Zeitraum von 25. bis 31. Mai vorliegt, geht hervor, dass trotz eines weiterhin stetigen Rückgangs der Infektionen der Anteil derer wieder angestiegen ist, die einen unklaren Ursprung haben, also nicht zurückverfolgt werden können: Der Anteil des „diffusen“ Infektionsgeschehens liegt bei 31,8 Prozent (Vorwoche: 24,5 Prozent). Die Zahl der Personen, die sich am Arbeitsplatz angesteckt haben, ist deutlich auf 1,8 Prozent (Vorwoche: 4,1 Prozent) gesunken. Erneut gab es erneut wie in der vor- und vorvorletzten Woche keine nachweislichen Ansteckungen (Vorwoche: 0,4 Prozent), die auf Schulen oder Kitas zurückgehen. Mit 1,2 Prozent (Vorwoche: 4,6 Prozent) hat der medizinische bzw. pflegerische Bereich auch nur noch einen minimalen Anteil an den neu entdeckten Infektionen. Weiterhin keine Neuansteckungen (Vorwoche: 0,0 Prozent) sind auf Gemeinschaftseinrichtungen zurückzuführen. Mit 65,3 Prozent (Vorwoche: 66,4 Prozent) erfolgen zwei Drittel und damit weiterhin der mit Abstand größte Anteil der Ansteckungen im privaten Umfeld, also beispielsweise zu Hause in der Familie oder bei Treffen mit Freund*innen und Verwandten.

Erneut wurden mit sinkenden Infektionszahlen auch weniger PCR-Tests in Hagen durchgeführt: In der Kalenderwoche 21 untersuchten Labore 1.045 Hagener Corona-Proben (Vorwoche: 1.514), von denen 30,0 Prozent (Vorwoche: 32,4 Prozent) positiv waren.

Kostenlose Schnelltests

Alle Bürger*innen in NRW haben die Möglichkeit, kostenlose Corona-Schnelltests durchführen zu lassen. Diese erfolgen durch medizinisch geschultes Personal in anerkannten Test-Centern. Testen lassen darf sich nur, wer keine Symptome hat und nicht direkte Kontaktperson einer*s Infizierten ist. In diesen Fällen sind hausärztliche Praxen oder das Gesundheitsamt zuständig. Sollte ein Schnelltest positiv sein, muss sofort ein PCR-Test in einer ärztlichen Praxis erfolgen.

In Hagen gibt es mittlerweile 43 Test-Center (Vorwoche: 43) – darunter auch eines an der Lange Straße.

Vom 25. bis 31. Mai wurden an den Test-Centern insgesamt 34.322 (Vorwoche: 26.741) kostenlose Schnelltests durchgeführt. Bei 30 (Vorwoche: 16) wurde ein positives Ergebnis durch einen PCR-Test bestätigt, 9 (Vorwoche: 8) Tests waren „falsch positiv“.

Kennzahlen zur Pandemie in Hagen in den vergangenen sieben Tagen

Alter7-Tage-Inzidenz aktuellVorwoche
Alle64,799,1
0-4 Jahre156,0114,4
5-14 Jahre107,8175,9
15-34 Jahre96,9145,3
35-59 Jahre60,0102,6
60-79 Jahre14,731,8
über 80 Jahre14,528,9
(Quelle: RKI)

Betrachtet man die dem RKI gemeldeten Zahlen in Bezug zum Anteil der Altersgruppen an der Gesamtbevölkerung, zeigt sich, dass diese nicht in allen Altersgruppen sinken – bei Kleinkindern bis 4 Jahren sind sie sogar wieder deutlich angestiegen. Senior*innen sind hingegen kaum noch von Infektionen betroffen. Dennoch waren weiterhin viele Verstorbene eher älter: Von den neun in dieser Woche in Hagen laut Stadt an COVID-19 verstorbenen Personen waren vier älter als 80 Jahre, zwei zwischen 70 und 80 und drei jünger als 70 – eine an den Folgen der Corona-Infektion gestorbene Person sogar jünger als 50 Jahre.

(Grafik: Stadt Hagen)

Mit 81,0 Prozent sind laut Angabe des Hagener Gesundheitsamtes die mit Abstand meisten Neuinfektionen in Hagen im Zeitraum 4. bis 31. Mai auf die Corona-Variante „Alpha“ bzw. B.1.1.7 zurückzuführen. Bei der zuerst in Großbritannien festgestellten Mutation handelt es sich um seine sogenannte „Besorgniserregende Variante“ (Variant of Concern, VOC). Auch von allen anderen VOC sind bereits Fälle in Hagen bekannt geworden, für die das Hagener Gesundheitsamt in seiner Grafik allerdings veraltete oder falsche Bezeichnungen nutzt: Auf „Beta“ (B.1.351, zuerst in Südafrika entdeckt) gehen 0,7 Prozent der Infektionen zurück, auf „Gamma“ (P.1 bzw. veraltet B.1.1.28.1, zuerst in Brasilien entdeckt) entfallen 0,2 Prozent und auf „Delta“ (B.1.617.2, zuerst in Indien entdeckt) gehen sogar bereits 3,4 Prozent der Hagener Neuinfektionen zurück. Bei nur 14,7 Prozent der positiven Tests konnte keine Mutation des Corona-Virus SARS-CoV-2 nachgewiesen werden, was allerdings auch an einer nicht ausreichenden Virenmenge in der jeweiligen Probe liegen kann.

In den vergangenen sieben Tagen wurden von der Stadt Hagen insgesamt 122 (Vorwoche: 188) Neuinfektion gemeldet. Die Wocheninzidenz liegt laut RKI heute bei 64,7 (Vorwoche: 99,1). Aktuell gelten in Hagen 274 (Vorwoche: 430) Personen laut Gesundheitsamt als ansteckend und befinden sich, wie auch ihre nächsten 184 (Vorwoche: 284) Kontaktpersonen, in Quarantäne.

In der vergangenen Woche sind in Hagen 9 (Vorwoche: 5) Todesfälle in Zusammenhang mit einer Corona-Infektion gemeldet worden. Die Gesamtzahl der Toten steigt damit auf 314 seit Beginn der Pandemie.

Auf den Hagener Intensivstationen wurden in der vergangenen Woche täglich im Schnitt 6 (Vorwoche: 11) schwerkranke COVID-19-Patient:innen behandelt, von denen durchschnittlich 3 (Vorwoche: 6) invasiv beatmet werden mussten. Von den durchschnittlich 77 (Vorwoche: 77) Intensivbetten in Hagen standen täglich etwa 9 (Vorwoche: 5) zur Verfügung, was 11,7 Prozent (Vorwoche: 6,5 Prozent) entspricht. Weniger als 15 Prozent freie Intensivbetten stuft das RKI als kritisch ein.

Laut Angaben der KVWL haben bislang 102.000 (Vorwoche: 96.038) Hagener*innen die erste Schutzimpfung gegen COVID-19 bekommen, was etwa 54 Prozent aller Hagener*innen sind. Vollständig geimpft sind nun 44.209 (Vorwoche: 34.358) Personen und damit rund 23 Prozent der Hagener Bevölkerung. In diesen Zahlen sind die Impfungen in hausärztlichen Praxen, im Hagener Impfzentrum und durch die mobilen Teams der KVWL (etwa in Pflegeeinrichtungen oder beim Rettungsdienst) enthalten. Impfungen, die in den Hagener Krankenhäusern erfolgt sind, sind nicht mit berechnet.

Kitas und Schulen

Die Kindertagespflege in Hagen hat sich aufgrund der hohen Inzidenz seit vergangenem Freitag im „eingeschränkten Regelbetrieb“ befunden, in den Schulen fand seit Montag wieder ein Wechselunterricht statt.

Trotz der Lockerungen und der hohen Inzidenz bei Kindern war in dieser Woche nur eine Einrichtungen von COVID-19-Infektionen betroffen: In der 2019 neueröffneten städtischen Kita „Kolibri“ (Bahnhofsviertel) musste eine Gruppe geschlossen werden.

Blick über die Stadtgrenze

Nach Angaben des RKI musste Hagen gestern nach vier Wochen den ersten Platz der 53 der Städte/Kreise mit der höchsten Inzidenz in Nordrhein-Westfalen an Bonn abtreten. Auch bundesweit sind wir nicht mehr in den „Top 10“, heute liegen wir auf Platz 12 (Vorwoche: 7) von 412. Wir gehören zu den letzten 37 (Vorwoche: 62) Städten/Kreisen in Deutschland, deren Inzidenz die 50 übersteigt. Über 100 liegt nur noch der Kreis Hildburghausen in Thüringen.

Die durchschnittliche Wocheninzidenz in Nordrhein-Westfalen ist laut MAGS nun die sechts Woche in Folge deutlich gesunken auf jetzt 34,3 (Vorwoche: 44,8). Am stärksten betroffen ist heute nun Bonn (70,7), gefolgt von Hagen (64,7) und dem Kreis Gütersloh (53,7). In NRW liegt aktuell keine (Vorwoche: 0) Stadt und kein Kreis über der Inzidenz von 100, entsprechend auch weiterhin keine über 165 oder über 200. In NRW liegen nun alle 53 Kreise (Vorwoche: 53) unter 100 sowie 50 (Vorwoche: 34) unter 50, außerdem 30 (Vorwoche: 15) auch unter 35. Auch in Hagens Nachbarschaft sind die Inzidenzen eine weitere Woche in Folge gesunken bzw. anhaltend niedrig: Stadt Dortmund 43,0 (Vorwoche: 54,9); Kreis Unna 38,7 (Vorwoche: 50,9); Ennepe-Ruhr-Kreis 23,8 (Vorwoche: 25,6); Märkischer Kreis 48,0 (Vorwoche: 57,3).

Bundesweit ist die durchschnittliche Inzidenz erneut deutlich auf jetzt 29,7 (Vorwoche: 39,8) gesunken. In ganz Deutschland melden keine (Vorwoche: 0) Städte/Kreise bzw. 0 Prozent eine extreme Infektionslage oberhalb einer Inzidenz von 200, insgesamt 1 (Vorwoche: 6) bzw. 0 Prozent liegen über 100, davon 0 (Vorwoche: 1) über 150 und 0 (Vorwoche: 0) über 165. Die Zahl der deutschen Städte und Kreise unterhalb einer Wocheninzidenz von 50 steigt weiter auf 375 (Vorwoche: 302) bzw. 91 Prozent. Schon 296 (Vorwoche: 198) bzw. 71 Prozent aller Städte/Kreise haben derzeit außerdem die Inzidenz von 35 unterschritten.

Regeln in Hagen

Aktuell gelten in Hagen unter anderem die folgenden Regelungen der „Inzidenzstufe 3“ (über bis bis 100).

GGG: Diese Angabe bedeutet im Folgenden, dass hier bestimmte Regeln nur für Getestete (zertifizierter negativer Schnell- oder PCR-Test), Geimpfte (mind. 2 Wochen nach vollständiger Impfung) oder Genesene (mit entsprechendem Nachweis) gelten.

  • Keine Ausgangsbeschränkungen
  • Treffen im öffentlichen Raum von beliebig vielen Personen aus bis zu 2 Haushalten
  • Kinder- und Jugendarbeit mit Gruppen bis 10 Personen (draußen bis 20) GGG
  • Kulturveranstaltungen sind möglich: Konzerte, Theater, Opernhäuser und Kinos außen mit bis zu 500 Personen bzw. innen bis zu 250 Personen GGG und festem Sitzplan; Museen, Galerien nur nach Terminbuchung
  • Kontaktsport verboten; kontaktfreier Sport nur außen mit bis zu 25 Personen GGG; Sportveranstaltungen mit bis zu 500 Zuschauer*innen GGG
  • Schwimmbäder, Indoorspielplätze etc. geschlossen, Freibäder nur zur Sportausübung mit begrenzter Anzahl GGG
  • Freizeitparks geschlossen; Ausflugsschiffe, Museumsbahnen etc. nur im Außenbereich mit begrenzter Anzahl GGG
  • Minigolfanlagen, kleinere Kletterparks etc. nur für GGG 
  • Zoos und botanische Gärten nur mit Termin 
  • Clubs und Discos bleiben geschlossen
  • Bordelle bleiben geschlossen
  • Shopping außer Grundbedarf: Nur 1 Kund*in pro 20 Quadratmeter (keine Termine, kein GGG)
  • Märkte und Messen ohne Kirmeselemente mit begrenzter Personenanzahl, mit Kirmeselementen verboten
  • Tagungen und Kongresse verboten
  • Private Feiern und Partys verboten
  • Gastronomie außen mit GGG, innen geschlossen
  • Hotels nur für GGG und innen ausschl. Frühstück

Die Maskenpflicht in Hagen besteht weiterhin auch rund um den Hauptbahnhof, auf dem Bahnhofsvorplatz, in der Innenstadt, in den Stadtteilzentren Boele, Haspe, Hohenlimburg und Hohenlimburg-Elsey und in einem Umkreis von 50 Metern um Schulen und Kindertageseinrichtungen.


Die Museen der Stadt Hagen öffnen erst wieder in der kommenden Woche nach vorheriger Terminbuchung. Das Kunstquartier (Osthaus Museum, Emil-Schumacher-Museum) startet seinen Betrieb ab Dienstag, 8. Juni. Das Museum Wasserschloss Werdringen ist ab Donnerstag, 10. Juni, wieder geöffnet. Der Hohenhof bleibt aufgrund von Renovierungsarbeiten zunächst geschlossen. Das Hagener Stadtarchiv öffnet ab Mittwoch, 9. Juni.

Die Stadtbücherei auf der Springe und die Stadtteilbüchereien in Haspe und Hohenlimburg öffnen ihre Ausleihstellen ab Montag, 7. Juni, mit Negativtestnachweis, vorheriger Terminbuchung, Rückverfolgbarkeit und unter Beachtung von Schutz- und Hygienemaßnahmen.

In der Volkshochschule Hagen (VHS) finden an der Wehringhauser Straße bereits seit einigen Wochen prüfungsrelevante Kurse wieder in Präsenz statt, dies betrifft das Nachholen von Schulabschlusskursen und in Einzelfällen auch Integrationskurse. Ab Montag, 14. Juni, werden im Rahmen der geltenden Coronavorschriften neben den Online-Angeboten auch weitere Veranstaltungen wieder in Präsenz durchgeführt.

Die städtische Max-Reger-Musikschule wird bis zum Beginn der Sommerferien keinen Präsenzunterricht anbieten.