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Mit der Band „The Blue Angel Lounge“ gehörte Nils Deweer vor einigen Jahren zu den vielleicht erfolgreichsten Musikern in Hagen. Doch irgendwann entschied sich der Mitdreißiger gegen eine Karriere als Musiker, wurde Lehrer und wandelt seitdem musikalisch unter dem Künstlernamen „Johnson McCloud“ auf Solo-Pfaden. 

Im Sommer erschien das neue Album „The War is Over“ von Johnson McCloud und am Freitag ist er nach einer längeren Pause auch wieder live auf der Bühne der Pelmke zu sehen. Im Interview hat mir Deweer von seinem neuen Album, seinen früheren musikalischen Erfolgen und seinem ambivalenten Verhältnis zu Wehringhausen erzählt. 

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Dein neues Album heißt „The War is Over“. Welcher Krieg ist vorbei? 

Das ist eine sehr interessante Frage. Also für mich ist dieser Titel mehrdimensional ausgelegt. Man könnte das jetzt negativ sehen, als würde es Resignation ausdrücken. Alle haben keinen Bock mehr auf Corona, aber haben das Gefühl, das bleibt einfach so. Der Krieg, den du nicht gewinnen kannst, ist vorbei. Aber für mich hat es auch einen unheimlich euphorischen Touch: Alle gehen wieder raus! Wir entwickeln Enthusiasmus, es geht wieder los! Außerdem sehe ich den Titel auch auf einer zwischenmenschlichen Ebene: Ich bin jetzt 34 und ich habe das Gefühl, in meinem Alltag muss ich mich mit bestimmten Meinungen und Sachverhalten nicht mehr abgeben oder herumschlagen. Macht ihr mal, wenn ihr Bock darauf habt. Aber es interessiert mich nicht. Ich habe auch noch andere Sachen zu tun. Also „The War is Over“ als so ein gewisses über den Dingen stehen. 

Wenn ich das mal auf das Album an sich beziehe, bedeutet es vielleicht auch, du bist musikalisch irgendwo angekommen? 

Ja, genau das ist für mich auf diesem  Album passiert. Alle, wirklich alle Richtungen, die mich jemals irgendwie ausgemacht haben, kommen hier zusammen. Es ist einerseits zugänglich, hat aber andererseits eine gewisse Tiefgründigkeit, ein Spannungsfeld zwischen Melancholie und Euphorie. Ich finde, das ist mir dieses Mal ziemlich gut gelungen, auch dank der Arbeit von Eroc, dem ehemaligen Schlagzeuger von Grobschnitt. Er hat die Songs gemixt und gemastert und das hat nochmal wirklich einiges rausgeholt. Das ist für mich jetzt schon fast eine ungewöhnlich gute Produktion. Darauf habe ich in der Vergangenheit nicht immer so viel Wert gelegt. 

Deine Musik ist, würde ich sagen, anspruchsvoll. Ist sie eher etwas für „Ältere“ oder hören das auch die jungen Leute? 

Also ich finde, dass sie schon einen frischen Touch hat. Aber klar, Noiserock, No Wave, Shoegaze gemischt mit Indie – das ist so Musik, das hören vielleicht Mittzwanziger bis Vierzigjährige, die sich für Pedals interessieren und wissen wie man damit Sounds kreiert. Oder auch Leute, die ein stückweit dieses urbane, kunstbezogene Leben führen, so eine Art Großstadt-Boheme. In Deutschland hören die ganz jungen Leute andere Sachen. Das ist mir teilweise auch völlig fremd. Ich mag zwar beat-lastigen Trip-Pop, der ohne Gesang auskommt. Aber mit Hip-Hop habe ich Zeit meines Lebens schon immer Schwierigkeiten gehabt. Ich kam da nie rein. Aber das betrifft auch andere Musikrichtungen, wo es zu textlastig wird.

Weil du dann beim Hören zu sehr auf den Text achtest? 

Genau. Das ist mir oft zu anstrengend und ermüdend. Deutschsprachige Musik wirkt auf mich häufig zu gezwungen auf den Text fixiert und will, dass ich irgendeine tiefere Botschaft erkenne. Ganz oft wird es dann auch politisch und da bin ich relativ radikal und der Meinung, dass zu viel plakative Politik die Kunst tötet. Wenn kein Interpretationsspielraum übrig ist, ich das nicht mehr auf meine eigene Lebenswelt übertragen kann, dann ist das Lied auch ziemlich schnell nicht mehr zeitlos und bewegt sich dann in so einer Blase. Also wenn ich jetzt beispielsweise über die aktuelle politische Situation singe, dann ist das vielleicht einen Monat relevant und danach halt nicht mehr. Ich fand es immer sehr schön, wenn die Dinge ein Stück weit abstrakt bleiben. Das ist der Grund, warum ich die Musik mache, die ich so mache. Sie ist halt immer dreamy, ein bisschen melancholisch. Bei den Wörtern geht’s eher um den Klang an der richtigen Stelle. Manchmal steckt auch eine Botschaft dahinter, aber die kann man immer mehrdimensional begreifen und interpretieren. Ich mag es nicht, wenn es zu konkret wird. 

Also ist der Text bei dir eher ein Instrument?

 Für mich kommt immer als erstes der Song und der gibt mir dann eine bestimmte Stimmung und ein bestimmtes Gefühl. Dann versuche ich, Wörter da reinzusingen. Das mache ich ganz oft auch mit so einem Denglish. Ich nuschle dann irgendwelche Wörter rein, die es gar nicht gibt, weil es wirklich eher um das Klangbild geht. Im Anschluss versuche ich, manchmal vielleicht auch zu gezwungen, englische Wörter draus zu machen. Ganz selten auch Deutsche. Aber ich finde, Deutsch ist wirklich ein ganz, ganz hoher Anspruch. Dass es nicht zu tiefgründig und zu gezwungen und zu theatralisch wird, ist in der deutschen Sprache eine Kunst. Darin eine Leichtigkeit zu erhalten, das gelingt ganz oft nicht, finde ich. Deswegen habe ich häufig mit deutschen Texten auch Schwierigkeiten. Ich habe bei aktuellen deutschen Songwritern oft das Problem, dass ich die Texte schnell albern finde. Der Mainstream hat mich auch nie so wirklich interessiert. Aber im Moment nimmt das ziemlich überhand mit dieser Deutsch-Pop-Welle, wo dir immer so eine Pseudo-Tiefe suggeriert wird. Dabei sind das dann eigentlich nur, keine Ahnung, die Söhne von Rolf Zuckowski und Peter Maffay, die irgendeine Stimmung ausloten, die die Leute grade haben. Wegen Corona haben sie vielleicht aktuell Fernweh, sie können ja nicht reisen. Und auf einer vermeintlich tiefen Ebene wird dann über Flugzeuge am Himmel gesungen. Das ist letztendlich getarnter Schlager. 

Um was geht es denn in deinen Songs? 

Ich beschäftige mich inhaltlich unter anderem mit diesem Spagat, dass ich einerseits die Sozialen Medien brauche, um auf mich aufmerksam zu machen, aber auf der anderen Seite diese typische Instagram-Kultur total ablehne. In „The Flawless and Nice“ geht es um dieses Posten von geschönten und optimierten Bildern, die eigentlich oberflächlich sind, von irgendeinem veganen Gericht oder so. Aber um es nicht zu oberflächlich erscheinen zu lassen, schreibt man dann „Carpe Diem“ oder so einen Kalenderspruch drunter. Eigentlich ist das alles nur Aufmerksamkeitskultur und alle versuchen sich zu vermarkten in irgendeiner Art und Weise. Das ist schon ziemlich übel. In einem anderen Track, „Let Me Sleep“, geht es dann auch darum, dass einem im Netz ständig irgendwas angeboten wird. Ständig soll man bei irgendwelchen Kampagnen mitmachen und so weiter. Bitte keine neuen Kampagnen mehr! Lasst mich einfach in Ruhe, ich habe genug Kram! 

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Hast du nicht vorhin erzählt, du magst keine politischen Lieder? 

Ja, aber das ist eine andere Ebene. Ich interessiere mich nicht für die ganz großen Themen. Also ich würde niemals offen über den Kapitalismus singen. Systemkritik ist mir zu einfach. Mich interessiert zwischenmenschliche Kritik. Warum handeln Menschen ambivalent? Warum sagen sie das eine, machen aber das andere? Und es ist ganz oft so, dass es auch gar nicht klar ist, ob ich jetzt derjenige bin, der kritisiert oder ob ich nicht derjenige bin, der kritisiert wird. Bei „Bottom Line“ singe ich zum Beispiel über eine Familie, die sich in diesem mittelständischen Leben – wo ich mich auch verordnen würde – verliert. Die Leute hangeln sich von Kredit zu Kredit, leben völlig über ihren Verhältnissen und jagen irgendwelchen Must-Have-Standards hinterher. Weber-Grill muss sein, Thermomix muss sein, SUV muss sein – und dann kommt die Bottom Line, Geld ist weg und man wundert sich: Wofür gehen wir denn arbeiten? 

Geht es dabei denn um Leute aus deinem Umfeld? 

Jein. Also klar mache ich auch Erfahrungen, die da irgendwo reinspielen. Aber es bleibt halt abstrakt. Ich würde nie irgendjemandem direkt angreifen und vor allen Dingen, wenn ich das dann doch in einer gewissen Art und Weise tue, ist es auch immer selbstreflexiv. Ich finde, dass Kritik wichtig ist, aber sie sollte nie losgelöst von einem selbst sein. Ich bin generell für mehr Selbstreflexion.

Machst du alles allein, wenn du aufnimmst? 

In der Regel ja. Früher habe ich immer alles im eigenen Schlafzimmer aufgenommen. Weil ich auch einfach diese Unmittelbarkeit und Spontanität brauche. Also wenn ich weiß, ich brauche jetzt noch eine halbe Stunde zum Proberaum, habe ich schon keinen Bock mehr. Jetzt in der Corona-Zeit war das auch einer gewissen Not geschuldet. Der Kosmos der Aktivität war limitiert, du konntest nicht mehr rausgehen, Freunde treffen. Auch Proben war schwierig. Ich persönlich habe das aber teilweise als Bereicherung für mich erlebt, weil ich nie so dieser auf eine Band bezogene Typ war. Aktuell ist alles noch einmal verschärft. Aufgrund der Bestimmung habe ich mich hingesetzt und für die neue Platte die Drums programmiert. Ich könnte so etwas nie spielen, aber einigermaßen programmieren geht. Am Ende haben wir dann aber ein, zwei Songs noch einmal mit einem richtigen Drummer aufgenommen. Das ist schon was anderes. Aber ja, in der Regel kommt jeder Song von mir. Nur wo ich das Gefühl habe, da könnte jemand nochmal eine andere Gitarre oder ein anderes Instrument reinbringen, weil ich das vielleicht nicht so kann, wie ich es mir vorstelle, frage ich Freunde. Dann sitze ich aber daneben und gebe Anweisungen.

Wie lief dieser Prozess denn bei The Blue Angel Lounge? 

Selbst Blue Angel Lounge damals war eigentlich eher ein Projekt. Das waren halt zwei Leute, Mel und ich. Wir haben so 2006, 2007 mit den ersten Demos angefangen. In den besten Zeiten kamen noch ein, zwei weitere zum harten Kern dazu und dann hat man halt diese Songs in einer kleinen Runde entwickelt und sie schließlich mit einer Band aus wechselnden Musikern live realisiert.

Ich habe zu der Zeit mit ein paar anderen Leuten ein regionales Musikportal betrieben und auch eine Konzertreihe in der Pelmke veranstaltet. Aber von euch hat man hier nie viel mitbekommen, außer vielleicht ganz am Rande, dass ihr mal in Hohenlimburg gespielt habt. Seid ihr in Hagen musikalisch gar nicht verwurzelt gewesen? 

Das waren so die MySpace-Zeiten. MySpace hatte im Gegensatz zu Facebook den Vorteil, dass es noch keine Beschränkungen durch einen Algorithmus gab und man ziemlich schnell mit Leuten aus der Szene in Kontakt kam. Und unsere Szene war sehr international. Wir haben uns damals nicht wirklich als Hagener gefühlt und es war uns ziemlich egal, was in Hagen passierte. Wir haben zwar einmal im Jahr unser Konzert im Werkhof für Friends und Family gespielt, waren darüber hinaus aber relativ schnell auf Bühnen in Kopenhagen, Sheffield, Paris oder London. Später sind wir auch zweimal in Amerika getourt. Es ist dann auch ein Berliner Label auf uns aufmerksam geworden. So haben wir viele Kontakte bekommen zu Bands wie Interpol, mit denen wir in der Westfalenhalle gespielt haben, oder den Dandy Warhols, mit denen wir auf Tour waren. Hagen hat für uns also lange Zeit überhaupt keine Rolle gespielt. 

Ihr wart ja da schon an einem Punkt, wo man sagen muss, das hätte auch richtig professionell werden können…

Wir waren an dieser unangenehmen Schwelle, wo man viel Arbeit und viel Zeit reinstecken muss. Man merkt halt, alles andere leidet da drunter. Und wir haben dann zwar in Amerika vor 4.000 Leuten gespielt, aber so nennenswertes Geld zu verdienen, dass man davon leben könnte, das ist auf diesem Niveau kaum möglich. Ich habe zu der Zeit noch studiert, weil ich immer gesagt habe, solange das nicht tragfähig ist, muss ich zweigleisig fahren. Das ist ein konservativer Ansatz, aber letztendlich sollte ich für mich Recht behalten. Irgendwann war eine einmonatige Europatour mit uns als Headliner geplant, aber das lief dann nicht so gut. In Deutschland stand zwar ziemlich schnell alles fest, es gab auch coole Clubs in einer ordentlichen Größe. Frankreich ging auch noch, aber Italien wurde schon schwieriger. Man merkte dann halt doch, dass wir zu sehr Sparte sind und größere Clubs Angst haben, dass nicht genug Leute kommen. Dann hat es auch noch intern gebrodelt, wir sind uns gegenseitig auf die Nerven gegangen, alles war sehr angespannt. Und dann haben wir gesagt, das ist uns zu heikel und haben die Band einen Tag vor einem großen Konzert in Paris offiziell aufgelöst. Kurz darauf rief dann jemand vom „c/o pop Festival“ an und sagte: „Herzlichen Glückwunsch! Ihr habt gewonnen, ihr seid NRWs beste Nachwuchsband. Wohin können wir das Preisgeld überweisen?“ Wir haben das dann aber abgelehnt und gesagt, sie sollen es einer jüngeren und ambitionierteren Band geben. 

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Und dann war es das? 

Für mich war es die Frage: Willst du das mit 50 immer noch so machen, diese Ungewissheit, dich im Notfall mit irgendwelchen Jobs durchschlagen, von ein paar hundert Euro leben? Ich meine, in Hagen sieht man halt auch diese Ermüdungserscheinungen. Ich will jetzt niemanden direkt ansprechen, aber das geht an den Leuten nicht spurlos vorüber. Einerseits bewundere ich das, wenn einige mit 40 oder 45 den Traum noch immer nicht aufgegeben haben. Aber andererseits, das ist jetzt nicht böse gemeint, aber was soll denn jetzt noch passieren? Universal kommt bestimmt nicht mehr an mit dem dicken Vertrag in der Tasche. Ich habe darüber natürlich mit anderen Künstlern aus Wehringhausen immer so meine Meinungsverschiedenheiten. Da geht es dann etwa darum, welchen finanziellen Stellenwert Kunst und Leidenschaft im Leben haben sollten. Und auch da bin ich sehr radikal eingestellt. Ich schätze es sehr in meinem Leben, dass ich da eine gewisse finanzielle, beruflich bedingte Unabhängigkeit habe. Die erlaubt mir, meine Kunst so zu gestalten, wie ich das für richtig halte und ich muss nicht irgendein Plattenlabel glücklich machen. Die Leute begreifen ganz oft nicht, dass es ansonsten am Ende des Tages einfach nur noch Arbeit ist und Abhängigkeiten schafft. Und dafür ist mir das einfach eine zu krasse Herzensangelegenheit. Das muss jetzt nicht allgemeingültig sein. Aber ich habe für mich gemerkt, dass ich immer dann am kreativsten bin, wenn ich eigentlich gar keine Zeit dafür habe und unabhängiger agieren kann. 

Aber würdest du deine Musik nicht trotzdem als Arbeit bezeichnen? Also wenn du beispielsweise ans Songwriting gehst? 

Absolut. Der Prozess an sich ist Arbeit. Am Anfang weiß ich gar nicht, wo die Reise hingeht. Das ist ziemlich anstrengend. Da ist zu Beginn nur so eine vage Vorstellung. Aber irgendwann kommst du halt rein und dann wird diese Arbeit auch zum Vergnügen. Und dann kann ich teilweise auch wirklich stundenlang, manchmal auch einen ganzen Tag lang, wenn ich die Zeit dafür habe, daran arbeiten. Aber dann empfinde ich das nicht als Arbeit. 

Stichwort Wehringhausen: Wohnst du im Viertel? 

Ich habe sieben Jahre während meines Studiums und der Ausbildung in Wehringhausen gewohnt. Das war für mich eine sehr schöne Zeit. Ich habe einige Partys in der Pelmke organisiert, Konzerte gespielt. Das möchte ich nicht missen. Aber irgendwann wurde es  teilweise zu so einer Art Hassliebe. Einerseits liebe ich das Lebensgefühl, sehr locker, sehr laid back. Aber auf der anderen Seite haben mich auch die immer gleichen Tresen-Gespräche irgendwann einfach genervt. Das ist bestimmt in vielen Stadtteilen, die so ähnlich funktionieren, so. Manche leben da einfach im Nimmerland und denken, sie werden niemals alt. Und dann war irgendwann halt die Frage: Okay, du bist jetzt berufstätig, hast du vielleicht auch noch andere Pläne? Meine Frau und ich sind schließlich in ein gemeinsames Heim gezogen. Jetzt bin ich froh, dass ich so ein gewisses Nähe-und-Distanz-Verhältnis zum Stadtteil habe. Wehringhausen ist für mich auch ein Rückzugsort, wenn mich die Reihenhauskultur mit Gartenzwerg zu sehr nervt. Ich liebe das aber auch, so ein Grenzgänger zwischen einem etwas konservativ geführten Lebensstil und einer alternativen Szene zu sein. Ich bin ein Hybrid und das erzeugt im negativen wie im positiven Sinne ein Spannungsfeld. Den Normalos bin ich nicht normal genug und für die Alternativen bin ich nicht alternativ genug (lacht). Aber ich habe mich entschieden, dass ich genau in die Mitte gehöre. Und genau das liebe ich. 

Du hast vorhin gesagt, deine Kunst ist finanziell unabhängig. Du arbeitest als Lehrer. Wie hast du die Lockdown-Zeit beruflich erlebt? 

Es ging vielleicht so das ein oder andere Klischee herum (lacht): Als die Schulen im Distanzunterricht waren, hätten die Lehrkräfte angeblich nichts zu tun gehabt. Doch die Arbeit  veränderte sich nur leicht, verlagerte sich teilweise auch auf andere Bereiche. Konzepte, Hygienekonzepte, Digitalisierung. Das waren viele Aufgaben, die da von uns angepackt wurden. Und das ist auch ganz spannend, weil vieles von dem Wissen, was man aus dem Bereich der Musik hat, sich manchmal auch auf den Job übertragen lässt oder auch andersherum. Wenn ich im Präsenz- oder Distanzunterricht vor einer Klasse stehe, dann ist das für mich wie ein Konzert. Ich muss die Kinder begeistern, ich muss die Aufmerksamkeit aufrecht halten. Das ist wie auf einer Bühne. Da muss ich auch dafür sorgen, dass die Leute sich irgendwie unterhalten fühlen, dass ich eine Verbindung herstelle.  Unterricht funktioniert in ähnlicher Weise. Das gefällt mir, diese Transferleistungen vom Hobby in den Beruf und wieder zurück. 

War es denn schön, aus dem Homeoffice wieder vor die Kinder zu gehen? 

Absolut. Also ich meine, es war auch interessant, unter veränderten Bedingungen zu arbeiten und Verantwortung in anderen Bereichen übernehmen zu können. Aber letztendlich war, glaube ich, jeder froh, dann auch wieder zum Kern des Berufs zurückkehren zu können. Und das ist nun mal das Unterrichten. 

Das heißt, übertragen, freust du dich, auch wieder auf der Bühne zu stehen? 

Also ich muss es nicht erzwingen, aber wenn ich das Gefühl habe, dass es läuft, dann auf jeden Fall. Momentan funktioniert das ganz gut, wir proben wieder. Ich habe einen Kreis an Leuten und wenn die auch dauerhaft motiviert sind – dann freue ich mich da auf jeden Fall drauf. Aber das ist nicht meine Priorität. Wichtig ist wirklich, dass ich immer irgendwie in der Lage bin, Songs zu schreiben und aufzunehmen. Und wenn ich dann noch die Sachen live darbieten kann, dann ist das das Nonplusultra. Dann bin ich happy.

Johnson McCloud kannst du live am Freitag, 22. Oktober, im Kulturzentrum Pelmke im Vorprogramm der Indie-Synth-Rock-Band „Unplaces“ erleben. Los geht es um 20.30 Uhr.

Das Album „The War is Over” findest du auf allen großen Streaming-Portalen, zum Beispiel bei Spotify:

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