Hagen verbessern: Die CDU sucht das Gespräch in den Quartieren

Die Landtagskandidaten Alexander Ebbert und Dennis Rehbein sowie der Fraktionsvorsitzende Jörg Klepper stellten sich am Mittwoch auf dem Wilhelmsplatz zum Gespräch. (Foto: Jan Eckhoff)
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Nach und vor Stürmen, Gewittern, Hagel und sonstigen Unwetter sowie wochenlangem Dauerherbst bot der 23. Februar eine willkommene Abwechslung. Strahlender Sonnenschein ließ für wenige Stunden beinahe eine Ahnung von Frühling aufkommen. Die CDU hätte sich kaum einen besseren Tag für ihre Veranstaltung auf dem Wilhelmsplatz aussuchen können. Den Fragen und Sorgen von Anwohnenden wollte man sich dort von 16 bis 17.30 Uhr stellen.

Als ich um kurz nach vier zu der kleinen Gruppe stoße, die sich mit einem Stehtisch am Parkstreifen an der Bismarckstraße eingerichtet hat, tobt zwar auf dem Platz das Leben, Kinder spielen und rennen durch die an Spielgeräten leider arme Gegend. Doch am Stand ist nicht viel los. Ein Ehepaar führt grade ein Gespräch mit den Herren der CDU und der erste Satz, den ich mitbekomme, ist wohlbekannt. „Man darf ja auch gar nicht mehr sagen, was man denkt, sonst wird man direkt in eine bestimmte Ecke gestellt …“

Noch bevor ich so richtig mit meinem Monolog beginnen kann, dass man sehr wohl seine Meinung sagen darf und sich nicht einmal selbst in irgendeine Ecke stellen muss, wenn man dabei nur auf rassistische Stereotype verzichtet, werden wir von einer guten Handvoll Jugendlicher und junger Erwachsener unterbrochen. Einer der jungen Männer mit augenscheinlichem Migrationshintergrund ergreift das Wort: „Hallo, was machen Sie hier?“ Kurz ratlose Blicke, dann ergreift Jörg Klepper, CDU-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat, das Wort: „Wir sind von der CDU und wollen uns die Probleme und Sorgen der Menschen anhören.“

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„Warum ist es hier so dreckig?“

Der Wortführer hat zwar noch nie etwas von der CDU gehört („Was ist das?“), seine Probleme möchte er aber gerne mitteilen. Mit einer ausladenden Handbewegung deutet er auf die steinerne Ödnis des Wilhelmsplatzes und sagt vorwurfsvoll: „Wir möchten einen Fußballplatz! Ein ganz kleiner würde schon reichen. Und warum ist es hier immer so dreckig, warum liegt hier überall so viel Müll?“

Ich erzähle kurz von dem neuen Bolzplatz hinter der Villa Post, der im November eingeweiht wurde (Gesamtkosten für Spiel- und Bolzplatz: 266.000 Euro). Weder der anwesenden Lokalpolitik noch den Jugendlichen war dieser offenbar bekannt. Wie, so wurde mir im weiteren kurzen Gesprächsverlauf bewusst, auch die extremen aktuellen Anstrengungen im Bereich der Jugend- und Sozialarbeit insbesondere um den Bodelschwinghplatz noch nicht ihren Weg in das Bewusstsein der Lokalpolitik gefunden haben.

Da mein Zeitplan etwas eng gestrickt war – ich wartete auf meine Familie, um bei dem schönen Wetter ein Eis zu essen – beantwortete mir Dennis Rehbein (CDU-Kreisvorsitzender und Landtagskandidat für den Bezirk 103) noch ein paar kurze Fragen, allen voran natürlich, warum sie hier an diesem Tag überhaupt standen.

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„Es geht um die ganze Stadt.“

„Vom Kern her geht es mit darum, dass wir Hagen besser machen. Dabei geht es gar nicht um einzelne Stadtteile, sondern um die ganze Stadt“, erklärt Dennis Rehbein. „Ich selber bin in Wehringhausen aufgewachsen, habe die ersten zwölf Jahre meines Lebens an der Wehringhauser Straße gewohnt, bin zur Emil-Schumacher-Schule gegangen, habe hier Fußball gespielt.“ Und auch wenn er nicht mehr hier wohne, der Stadtteil liege ihm am Herzen. „Und wie sich alles in letzter Zeit entwickelt hat, das geht mir schon quer.“ Man müsse gemeinsam, über Parteigrenzen hinweg, Wege finden, Hagen besser zu machen. Dazu gehöre auch, Quartiere wie Wehringhausen oder Altenhagen wieder lebenswert zu machen. „Es geht darum, dass wir gleichwertige Lebensverhältnisse in unserer Stadt haben. Es darf nicht von einzelnen Stadtteilen heißen, dass man da nicht mehr wohnen könne und wegziehen müsse“, erklärt Rehbein seine Agenda.

Von den Gesprächen vor Ort in den Stadtteilen erwarte sich Dennis Rehbein Impulse und andere Blickwinkel. „Ich habe meine Meinung zu gewissen Themen, freue mich aber auch, andere Meinungen zu hören.“ Man müsse schauen, was die Menschen betrifft und stört, um daraus kurz- und langfristige Planungen abzuleiten. „Wir werden nicht alle Probleme innerhalb von wenigen Tagen lösen können. Das müssen wir auf zwei Ebenen angehen.“

Auf die Frage, ob er jetzt hier bereits im Landtagswahlkampf unterwegs sei, muss Rehbein kurz schmunzeln. „Natürlich befinden wir uns auch schon im Wahlkampf, alles andere wäre gelogen. Aber Wehringhausen ist ja nicht einmal in meinem Wahlkreis. Und egal ob CDU oder andere Parteien: Ich glaube, uns Lokalpolitikern geht es morgens, wenn wir aufstehen, zunächst einmal nicht um Wahlkampf. Es geht uns darum, dass wir Hagen verbessern.“