VRR-Stationsbericht: Bahnhöfe in Hagen nicht ganz so schlimm

Der Haltepunkt in Wehringhausen gilt insgesamt als „verbesserungswürdig“. (Foto: Jan Eckhoff)

Der Mensch im Ruhrgebiet weiß: „Wo anders ist auch kacke. Kannste mir glauben, ich war schon da.“ Und ausgehend von den Bahnhöfen liegt dieses „Woanders“ für viele Reisenden in Hagen. Denn als wichtiger Eisenbahn-Knotenpunkt hinterlassen wir keinen guten ersten – und damit leider oft auch letzten – Eindruck unserer Stadt.

Ein erster Eindruck, der täuschen könnte. Das hat der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr jetzt in seiner jährlichen Begutachtung der Bahnhöfe und Haltepunkte im Verbundgebiet festgestellt. Und das erstreckt sich immerhin von der niederländischen Grenze zwischen Kleve und Möchengladbach über den Niederrhein und das ganze Ruhrgebiet bis nach Dortmund und Hagen im Osten und im Süden bis hinter Düsseldorf und in Teile des Bergischen Landes.

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Die Hälfte ist okay

Der „Stationsbericht 2021“ umfasst Testberichte von 295 Bahnhöfen und Haltepunkten. 24 Stationen bescheinigten die Tester:innen einen „ausgezeichneten“ Zustand. Weitere 123 Bahnhöfe erzielten eine „ordentliche“ Gesamtbewertung, 2020 waren es nur 97. Aber: 141 Haltepunkte wurden als „entwicklungsbedürftig“ und sieben sogar als „nicht tolerierbar“ eingestuft. Immerhin hat sich der Anteil der Stationen in einem guten Zustand von 40 Prozent ein Jahr zuvor auf jetzt rund die Hälfte deutlich erhöht. Die Zahl der Stationen mit schweren Mängeln liegt mit sieben deutlich niedriger als im Vorjahr. 2020 waren es noch 15, 2019 sogar 73.

VRR-Vorstandssprecher Ronald Lünser ist entsprechend eingeschränkt zufrieden: „Wir freuen uns über diese positive Entwicklung, auch wenn die Ergebnisse natürlich gleichzeitig zeigen, dass bei rund der Hälfte aller Bahnhöfe weiterhin Handlungsbedarf besteht.“

Hagener Werte

Zu den untersuchten Bahnhöfen und Haltepunkten gehören auch neun in Hagen. Diese wurden wie alle anderen auch primär nach drei Gesichtspunkten untersucht: Aufenthaltsqualität, Fahrgastinformation und Barrierefreiheit. Der Zustand wurde jeweils als „hervorragend“, „zufriedenstellend“, „verbesserungswürdig“ und „unzureichend“ eingestuft und nach diesen Kriterien auch ein Gesamturteil gefällt. Zusätzlich wurden auch die Beleuchtungssituation und, falls vorhanden, die Gebäude begutachtet.

Mit dem Hauptbahnhof und den Haltepunkten Heubing, Dahl und Rummenohl gab es dreimal eine zufriedenstellende Gesamtbewertung, alle anderen Stationen in Hagen gelten als verbesserungswürdig, jedoch keine als unzureichend. 

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Schlusslicht Vorhalle

In den Einzelwertungen am schlechtesten schneidet der Bahnhof in Vorhalle ab: Aufenthaltsqualität und Informationen über Fahrpläne und ähnliches sind lediglich zufriedenstellend, die Barrierefreiheit ist unzureichend. Allerdings sind in Vorhalle Baumaßnahmen in Planung.

Spitzenwertungen gibt es an fast allen anderen Stationen für die Informationsmöglichkeiten vor Ort. Neben Vorhalle kommt hier nur Westerbauer auf ein „Zufriedenstellend“. Eine hervorragende Bewertung der Aufenthaltsqualität bekommt in Hagen aber lediglich die Station in Dahl. Oberhagen, Wehringhausen, Westerbauer, Hohenlimburg und Rummenohl gelten noch als zufriedenstellen. In Heubing, Vorhalle und am Hauptbahnhof ist klar: Die Aufenthaltsqualität ist verbesserungswürdig.

Viele Hürden

Ein großes Problem der Haltepunkte in Hagen ist nach wie vor die Barrierefreiheit: Heubing und der Hauptbahnhof (wenn denn mal die Aufzüge funktionieren) schneiden als zufriedenstellend ab, Westerbauer ist verbesserungswürdig. Eine rote Karte im Bereich Barrierefreiheit geht an Oberhagen, Vorhalle, Wehringhausen, Dahl, Hohenlimburg und Rummenohl. Umbaumaßnahmen zur Verbesserung der Situation sind derzeit nicht nur in Vorhalle, sondern auch in Oberhagen, Hohenlimburg und am Hauptbahnhof in Planung.

Die Zuständigkeit für die Zugänge zu den Stationen und gegebenenfalls den Gebäuden sind in Hagen unterschiedlich geregelt. Zwar liegt die gesamte Verantwortung in den meisten Fällen bei der „DB Station & Service AG“, in Dahl ist das Bahnhofsgebäude jedoch in Privatbesitz und für die Personenunterführung und Rampen am Haltepunkt Heubing sowie die Fahrradboxen in Vorhalle ist die Stadt Hagen verantwortlich. 


Verwendete Quellen:

  • VRR-Stationsbericht 2021 (Link, abgerufen am 10.03.2022)
  • Eigene Recherche

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