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Kapstadt, die Metropole am südwestlichsten Zipfel Afrikas, ist das große Herzensthema von Jessica Bönn. Während und nach ihrem Studium lebte die Hagener Schulpsychologin zwischen 2016 und 2019 insgesamt beinahe drei Jahre am Tafelberg.

In Kapstadt lernte Jessica den Fotografen Phil Buffiet kennen, der in seinen Analogfotos die südafrikanische Stadt porträtiert. Einige seiner Fotos sind nun vom 20. August bis zum 4. September in einer Ausstellung im Cepulse, Lange Straße 35, zu sehen. Jessica Bönn und Lukas Lange (Cepulse) haben mir zur Ausstellung einige Fragen beantwortet.

„Ons-Stadt“ klingt etwas ungewöhnlich, was bedeutet der Ausstellungtitel?

Jessica: Das ist quasi eine Wort-Neukreation, „Stadt“ aus dem Deutschen und „Ons“ aus dem Afrikaans, „Unsere Stadt“.

Was erwartet mich bei der Ausstellung? Was ist da zu sehen?

Jessica: Dich erwarten 20 Fotos aus Kapstadt. Die drehen sich alle um verschiedene Perspektiven auf den Begriff Heimat. Was Phil Buffiet einfangen wollte, sind die unterschiedlichen Perspektiven auf den zentralen Tafelberg als stabiles Element von Heimat. Dabei ist auch ein Porträt davon entstanden, wie divers Kapstadt ist. Es ist eine der ungleichsten Städte der Welt. Phil hat versucht, das geografisch aufzubauen. Denn Kapstadt zieht sich um den Tafelberg im Mittelpunkt der Stadt herum. Da sehen wir die Waterfront, das ist der teure Teil, der reiche Teil. Und hier, das ist ein Township, um deutlich zu machen, wie krass unterschiedlich auch die Perspektiven auf eben diesen Mittelpunkt, auf Heimat sein können. Und das in einer Stadt.
Der Künstler hat aber auch noch Videomaterial geliefert von den Orten, an denen er die Bilder geschossen hat. Dort hat er Freunde oder Bekannte eben aus diesen Teilen der Stadt interviewt, was Heimat für sie bedeutet, was der Tafelberg für sie bedeutet. Das ist ganz interessant, weil die einen sagen, dass sie gar keine Notiz mehr davon nehmen. Das ist „just another mountain“, sagt eine. Und die andere sagt, dass das der zentrale Mittelpunkt ist und sie immer nach Hause leitet. Die Videos werden wir als Projektion im Ausstellungsraum zeigen.

Du hast in Kapstadt gewohnt. Ist das für dich jetzt auch zu Hause? Also so ein bisschen zweite Heimat in den Fotos?

Ausstellungsvorbereitung
Jessica Bönn (vorne rechts) und Lukas Lange (hinten links) bereiten im Cepulse eine Ausstellung des südafrikanischen Fotografen Phil Buffiet vor. (Foto: Jan Eckhoff)

Jessica: Total, ja. Ich war etwa zweieinhalb Jahre in Kapstadt und ich glaube, hätte ich da eine nanderen Job gefunden oder bekommen, wäre ich vermutlich sogar dort geblieben. Aber wie das Leben so spielt, bin ich dann wieder zurück nach Hagen gekommen. Aber Kapstadt ist jetzt schon irgendwie so ein Stück zweite Heimat, das wir jetzt hier hin holen. Als wir das Ganze aufgebaut haben, war es schon wie ein Kribbeln. Also man hat diese Fotos aufgehängt und man beschäftigt sich intensiv damit. Die Musik dazu, das ist schon das Ganze wieder näher holen.

Dein Verein Capetopia engagiert sich für Kapstadt. Hast du den gegründet, als du wieder in Hagen warst, so nach dem Motto: Ich möchte etwas für meine zweite Heimat tun? Oder war das schon da unten die Idee, wenn ich wieder nach Deutschland zurückkehre, möchte ich was mitnehmen?

Jessica: Eher ersteres. Ich bin wieder nach Deutschland gekommen, habe die Privilegien hier wieder wahrgenommen. In Kapstadt ist Sicherheit ein Riesenthema. Die Menschen dort sagen, dass das Einzige, was ihnen fehlt, ist Sicherheit. Du gehst durch die Stadt und guckst dich die ganze Zeit um, es gibt Taschendiebstähle, Überfälle und so weiter. Und dieser Kontrast, der ist mir hier besonders aufgefallen, wie privilegiert wir auch in Sachen Sicherheit sind. Du kannst nachts rumlaufen und telefonieren. Das wäre in Kapstadt nicht möglich. Also noch nicht mal rumlaufen ist nachts möglich. Und ja, irgendwie kam da dann der Gedanken, hier etwas zu schaffen, was sich Kapstadt widmet.

Wie lange wird die Ausstellung zu sehen sein?

Jessica: Wir starten nächsten Freitag, am 20. August, und dann läuft sie bis zum 4. September. Zur Vernissage haben wir von 18 bis 21 Uhr geöffnet und zur Finissage auch. Die Tage dazwischen sind noch nicht ganz festgelegt, tendenziell aber eher nachmittags, nach der Arbeit. Was aber ganz spannend wird: Am Freitag, 27. August, haben wir zusammen mit Claudia Eckhoff vom AllerWeltHaus die Referentin Vera Dwors aus Münster eingeladen. Sie befasst sich beruflich mit diesen ganzen Themen und kommt hier her und hält unter dem Titel „Südafrika bewegt sich“ um 18.30 Uhr einen Multimedia-Vortrag.

Der Künstler wird wahrscheinlich nicht anwesend sein? Kennst du ihn persönlich aus deiner Zeit in Südafrika?

Jessica: Leider kann er nicht kommen. Und genau, den Phil kenne ich tatsächlich aus meiner Zeit in Kapstadt, da hat er immer schon hobbymäßig analog fotografiert. Das ist jetzt seine erste Solo-Ausstellung und er fühlt sich sehr geehrt.

Wie ist es bei der Eröffnung, muss ich mich vorher anmelden oder kann ich einfach vorbeikommen? Wird es eine Test- oder Impflicht geben?

Lukas: Das hängt ein wenig von den dann geltenden Regelungen ab. Aber im Zweifelsfall kann man direkt hier nebenan bei Chris im „Le Chat Noir“ einen Corona-Test machen. Das passt von den Öffnungszeiten. Bei den Veranstaltungen der Trauerbar hat er aber sogar extra für uns geöffnet.


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