Lennebad – weg damit oder nicht?

Einen solchen Wust an Papieren haben wir auch in Wehringhausen bekommen. (Foto: Jan Eckhoff)
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Rund 10 Kilometer sind es vom Wilhelmsplatz bis zum Richard-Römer-Lennebad in Hohenlimburg. Mit dem Auto fährt man am besten über die Autobahn, dauert bei wenig Verkehr dann etwa 20 Minuten. Mit Bus oder Fahrrad wäre man – letzteres bei guter Kondition – rund 45 Minuten unterwegs und zu Fuß … lässt man es vermutlich.

Was kümmert es uns in Wehringhausen also, ob das Bad abgerissen wird oder nicht? Die Antwort darauf ist so vielschichtig wie die allgemeinen Argumente dafür oder dagegen. Und das wichtigste Argument scheint, wie so oft in unserer Stadt, das Geld. Das Lennebad ist in Hagen das einzige verbliebene Hallenbad neben dem Westfalenbad und bietet neben dem Freizeitbereich unter anderem Schulen und Vereinen – darunter etwa die DLRG – Platz für den Schwimmsport.

Am Sonntag, 13. März, können rund 147.000 wahlberechtigte Hagener:innen in einem Bürgerentscheid die Zukunft des Bades bestimmen.

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Traglufthalle statt Hallenbad

Diese Möglichkeit sollte eigentlich trotz hohem Sanierungsbedarf erhalten bleiben. Die Stadt Hagen hatte dafür Fördergelder in Höhe von rund zweieinhalb Millionen Euro eingetrieben. Doch dann kam im vergangenen Jahr der Schock: Die für die Sanierung kalkulierten Kosten wurden neu berechnet – auf beinahe acht Millionen Euro. Der Rat der Stadt Hagen entschied deshalb im Juni, dass das Bad nicht zu retten sei und abgerissen werden muss. Als Alternative sollte das von einem Verein betriebene Freibad Henkhausen in Hohenlimburg-Reh mit einer Traglufthalle ausgestattet und so zum Ganzjahresbad (im Winter überdacht, im Sommer „open air“) aufgerüstet werden. Dieser Plan wäre, so hatte es die Stadt berechnet, finanziell möglich gewesen.

Doch gegen die Pläne regte sich der Widerstand einer Bürger:inneninitiative. Ihre wichtigsten Argumente: In Henkhausen bestehen nicht die Möglichkeiten, die für professionellen Vereinssport und die Schwimmausbildung (Schwimmabzeichen, Rettungsschwimmen) nötig sind. Ebenfalls seien in Henkhausen die nötigen Bedingungen für ein Schwimmen von muslimischen Frauen nicht gegeben. Außerdem sei es keinesfalls gegeben, dass die für das Lennebad genehmigten Fördermittel auch für einen Umbau in Henkhausen zur Verfügung stehen. Den Aktivist:innen gelang es schließlich, genug Unterstützung für einen stadtweiten Bürger:innenentscheid zum Erhalt des Lennebades zu erwirken.

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Ja oder Nein: Die Konsequenzen

Ein „JA“ zum Erhalt des Lennebades würde einerseits bedeuten, dass in Hohenlimburg weiterhin umfangreiche Schwimmausbildungen und professioneller Vereinssport im Wasser möglich sind. Andererseits könnte dieses Votum den städtischen Haushalt um mehrere Millionen Euro belasten, die dann an vielen anderen Stellen überall im gesamten Stadtgebiet fehlen. Politisch wird dieser Weg von den Fraktionen Bürger für Hohenlimburg/Die Partei, der Linken, der AfD und der Gruppierung HAK unterstützt.

Ein „NEIN“ zum Erhalt, also der Beibehaltung des ursprünglichen Abrissplans der Stadt, würde einerseits den Haushalt deutlich entlasten, birgt jedoch andererseits das Risiko, dass auch die Erweiterung in Henkhausen nicht gefördert wird und das Sportschwimmbecken im Westfalenbad noch mehr als jetzt schon belastet würde. Diese Entscheidung wird von der sogenannten „Allianz“ aus CDU, Grünen, FDP und Hagen Aktiv wie auch von der SPD befürwortet.

Damit der Entscheid im Sinne der Aktivist:innen erfolgreich ist, also der Abriss gestoppt wird, muss nicht nur eine Mehrheit der Teilnehmenden mit „JA“ stimmen, diese Mehrheit muss außerdem auch mindestens zehn Prozent der wahlberechtigten Bevölkerung der gesamten Stadt entsprechen.