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Während in ganz NRW und mittlerweile auch in Deutschland die Corona-Infektionszahlen teils deutlich sinken, steigen sie in Hagen an. Dabei machen sich jedoch die neuen Corona-Regeln bemerkbar: Immer weniger Kontakte müssen in Quarantäne.

Was die Zahlen in Hagen jedoch zeigen: Der Anteil der vollständig Geimpften unter den neuen Infektionen wie auch den schwersten Verläufen ist gering. Wir haben es immer mehr mit einer „Pandemie der Ungeimpften“ zu tun. Das zeigt auch der noch immer extrem hohe Anteil von Kindern an der neu positiv getesteten Personen. Erstaunlicherweise wurden aber dennoch keine neuen Quarantänemaßnahmen von Hagener Schulen oder Kitas gemeldet.

Kennzahlen zur Pandemie in Hagen in den vergangenen sieben Tagen

In den vergangenen sieben Tagen wurden aus Hagen insgesamt 252 (Vorwoche: 213) neue positive Corona-Tests gemeldet. Die Wocheninzidenz liegt laut RKI heute bei 133,6 (Vorwoche: 112,9). Aktuell gelten in Hagen 466 (Vorwoche: 433) Personen laut Gesundheitsamt als ansteckend und befinden sich, wie auch ihre nächsten 252 (Vorwoche: 530) Kontaktpersonen, in Quarantäne. Der 7-Tage-R-Wert (also die Anzahl an weiteren Personen, die ein:e Infiziert:e ansteckt) liegt aktuell bei 1,20 (Vorwoche: 0,86) und liegt damit wieder über eins – die Zahl der Neuinfektionen steigt also. Mittlerweile haben sich im Verlauf der Pandemie insgesamt 7,4 Prozent der Hagener Bevölkerung nachweislich mir Corona angesteckt.

Inzidenz nach Alter

Alter7-Tage-Inzidenz aktuellVorwoche
Alle133,6112,9
0-4 Jahre176,8124,8
5-14 Jahre357,5317,7
15-34 Jahre152,2168,4
35-59 Jahre139,083,7
60-79 Jahre29,324,4
über 80 Jahre21,736,2
(Quelle: RKI)

Betrachtet man die dem RKI gemeldeten Zahlen der vergangenen sieben Tage in Bezug zum Anteil der Altersgruppen zeigt sich ein noch einmal sehr hoher Anteil bei Kindern und Jugendlichen. Die Inzidenz bei Säuglingen und jungen Kindern bis 4 Jahren liegt mit nun 17 Fällen sehr deutlich über dem Durchschnitt. Die weiterhin weitgehend ungeimpften 5- bis 14-Jährigen erreichen mit 63 Fällen weiterhin mehr als das Zweieinhalbfache des Durchschnittswertes.

Bei den 15- bis 34-Jährigen gehen die neuen positiven Testungen erneut von 73 in der Vorwoche auf jetzt 66 zurück, sie bilden nun mit einer Inzidenz von 152,2 nur noch die am drittstärksten betroffene Kohorte. Auch die 35- bis 59-Jährigen liegen mit 88 Fällen (Vorwoche: 63) jetzt über dem Schnitt. Noch immer vergleichsweise wenig sind die weitgehend durchgeimpften Altersgruppen ab 60 Jahren mit erneut insgesamt 15 Fällen betroffen.

Kitas und Schulen

Die Stadt Hagen hat in der vergangenen Woche keinerlei neue Infektionen in Zusammenhang mit Schulen oder der Kindertagespflege gemeldet, was jedoch in Anbetracht der vorgenannten Zahlen eigentlich keinen Sinn ergibt. Auch die Ansteckungen in Schulen und Kitas (siehe weiter unten) liegen in der Woche bei 0 – was in Zusammenhang mit der Inzidenz der Kinder und Jugendlichem im Schulpflichtigen Alter erstaunt. Ich habe eine entsprechende Anfrage an die Stadt gestellt, rechne jedoch vor Anfang der kommenden Woche mit keiner Antwort.

Auch die generellen Quarantänemaßnahmen an Schulen sind nicht mehr mathematisch nachvollziehbar, da nicht mehr automatisch alle direkten Kontakte einer positiv getesteten Person in Quarantäne müssen. Nur wer nachweislich positiv getestet wurde, muss in Quarantäne. Sollte von dieser Regelung in Ausnahmefällen abgewichen werden, haben die Personen in Quarantäne nach fünf Tagen die Möglichkeit, sich mittels negativem PCR-Test „freizutesten“.

Laut Angaben von NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Mittwoch, 15,. September, im Schulausschuss des Landtags sind mittlerweile über 90 Prozent der Lehrer:innen in unserem Bundesland vollständig gegen Corona geimpft, insbesondere an den Grundschulen. Auch bei den Schüler:innen zwischen 12 und 17 Jahren sei die Quote hoch, beinahe die Hälfte habe bereits eine Impfdosis erhalten und rund 30 Prozent seien vollständig geimpft.

Sorgen bereiten der Politikerin die bald beginnenden Herbstferien. Gebauer möchte dafür sorgen, dass möglichst alle Schüler:innen vor Schulanfang einmal auf Corona getestet werden.

Infektionsursprung

Grafik: Stadt Hagen

Wie aus der aktuellen Corona-Wochenstatistik der Stadt Hagen hervorgeht, die diesmal für den Zeitraum von 7. bis 13. September vorliegt, steigt die Zahl der nicht mehr rückverfolgbaren Infektionen drastisch an.

Jetzt schon mehr als zwei Drittel bzw. 67,6 Prozent (Vorwoche: 57,2 Prozent) der Infektionen erfolgen „diffus“. Mit 22,5 Prozent (Vorwoche: 31,2 Prozent) bildet die Zahl der Infektionen im privaten Umfeld, also beispielsweise zu Hause in der Familie oder bei Treffen mit Freund:innen und Verwandten, den höchsten Anteil der nachvollziehbaren Ansteckungen. Die nachweislich drittmeisten Ansteckungen erfolgten mit 5,3 Prozent (Vorwoche: 0,7 Prozent) am Arbeitsplatz. Die Zahl der Personen, die sich nachweislich im Urlaub angesteckt haben, machen mit 2,9 Prozent (Vorwoche: 6,8 Prozent) dafür einen weiterhin deutlich gesunkenen Anteil aus. Auf den medizinisch/pflegerischen Bereich gehen 1,2 Prozent zurück (Vorwoche: 1,6 Prozent), auf Gemeinschaftseinrichtungen 0,4 Prozent (Vorwoche: 0,8 Prozent). Wie schon weiter oben erläutert, gab es keine (Vorwoche: 2,0 Prozent) Infektionen, die sich auf Schulen und Kitas zurückführen lassen – was in Anbetracht der hohen Infektionszahlen bei Kindern im schulpflichtigen Alter Anlass zur Verwunderung gibt.

In der Kalenderwoche 36 untersuchten Labore im Rahmen des Infektionsschutzes 1.484 (Vorwoche: 1.640) vom Gesundheitsamt angeordnete Hagener Corona-Proben, von denen 23,0 Prozent (Vorwoche: 24,6 Prozent) positiv waren. Bei 94,4 Prozent (Vorwoche: 94,1 Prozent) aller im untersuchten Zeitraum in Hagen positiv auf Corona getesteten Personen lag überhaupt kein oder zumindest kein vollständiger Impfschutz vor.

Kostenlose Schnelltests

Alle Bürger:innen in NRW haben noch bis 10. Oktober die Möglichkeit, kostenlose Corona-Schnelltests durchführen zu lassen. Diese erfolgen durch medizinisch geschultes Personal in anerkannten Test-Centern. Testen lassen darf sich nur, wer keine Symptome hat und nicht direkte Kontaktperson von Infizierten ist. In diesen Fällen sind hausärztliche Praxen oder das Gesundheitsamt zuständig. Sollte ein Schnelltest positiv sein, muss sofort ein PCR-Test in einer ärztlichen Praxis erfolgen.

In Hagen gibt es einige Test-Center, darunter auch eines in Wehringhausen. Die Gesamtzahl der durchgeführten Schnelltests wird von der Stadt Hagen in ihrer Wochenstatistik nicht mehr angegeben. Wohl aber, dass in der KW 36 insgesamt 239 (Vorwoche: 242) Schnelltests ein bestätigt positives Ergebnis zeigten und so dabei halfen, 14,6 Prozent (Vorwoche: 16,1 Prozent) aller bekannten Infektionen zu entdecken.

Todesfälle und Hospitalisierung

In der vergangenen Woche sind in Hagen erneut zwei Personen an Covid-19 gestorben (Vorwoche: 2). Die Gesamtzahl der Toten, die in Zusammenhang mit einer Corona-Infektion in Hagen gemeldet wurden, steigt damit auf 330 seit Beginn der Pandemie. Damit sind seit Beginn der Pandemie 2,4 Prozent aller Corona-Infektionen in Hagen tödlich verlaufen.

In den Hagener Krankenhäusern mussten am Stichtag 15. September insgesamt 17 (Vorwoche: 15) Personen mit Covid-19 behandelt werden. Bei 15 (Vorwoche: 11) lag kein vollständiger Impfschutz vor. Auf den Hagener Intensivstationen wurden am Stichtag laut Stadt Hagen 4 (Vorwoche: 6) schwerste Covid-19-Fälle behandelt, von denen 3 (Vorwoche: 5) keinen vollständigen Impfschutz hatten.

Corona-Impfungen

Die Quote der neuen Corona-Impfungen in Hagen steigt erneut nur sehr langsam. Laut Angabe der KVWL wurden in Hagen mit Stand vom 17. September weiterhin rund 72 Prozent der Bevölkerung bzw. 136.170 Personen (Vorwoche: 135.258) mindestens einmal gegen Covid-19 geimpft. Gut zwei Drittel bzw. etwa 68 Prozent bzw. 127.821 Personen (Vorwoche: 125.793) haben nun den vollen Impfschutz. Außerdem haben in Hagen nun 551 Personen (Vorwoche: 299) einen sogenannten „Impf-Booster“, also eine Auffrischungsimpfung, erhalten.

In diesen Zahlen sind die Impfungen im Hagener Impfzentrum, durch mobile Teams der KVWL und in kassenärztlichen Praxen enthalten. Die zusätzlichen Impfungen bei Betriebs- und Privatärzt:innen und in Krankenhäusern werden in der Statistik nicht erfasst. Die tatsächliche Zahl der Geimpften dürfte daher etwas höher sein – die Stadt Hagen schätzt etwa 2.000 Geimpfte mehr.

Impftermine

In den kommenden Tagen ist der „Impfbus“ in Hagen wieder unterwegs. Bei allen Terminen sind weiterhin Erstimpfungen für alle ab 12 Jahren (Einverständniserklärung der Eltern erforderlich) möglich:

  • Freitag, 17. September (8-14 Uhr): Käthe-Kollwitz-Berufskolleg
  • Samstag, 18. September (8-14 Uhr): Parkplatz von Edeka in Altenhagen, Zollstraße
  • Montag, 20. September (8-14 Uhr): Käthe-Kollwitz-Berufskolleg
  • Dienstag, 21. September (10-16 Uhr): Rahel-Varnhagen Kolleg
  • Mittwoch, 22. September (8-14 Uhr): Cuno-Berufskolleg I + II

Am 30. September schließt das Hagener Impfzentrum in der Stadthalle. Bis dahin können sich dort – bei Minderjährigen mit Einverständniserklärung der Eltern – alle Personen ab 12 Jahren impfen lassen. Zur Verfügung stehen die Impfstoffe von „Johnson & Johnson“ und „Biontech“:

  • Samstag, 18. September (14-20 Uhr)
  • Sonntag, 19. September (8-20 Uhr)
  • Donnerstag, 23. September (14-20 Uhr)
  • Freitag, 24. September (14-20 Uhr)
  • Samstag, 25. September (14-20 Uhr)
  • Sonntag, 26. September (14-20 Uhr)
  • Montag, 27. September (14-20 Uhr)
  • Dienstag, 28. September (14-20 Uhr)
  • Mittwoch, 29. September (8-20 Uhr)

Verschiedene besonders gefährdete Gruppen (u.a. chronisch Erkrankte, Senior:innen über 80 Jahre, pflegebedürftige Personen) können in NRW, wenn ihre zweite Impfung mindestens sechs Monate her ist, eine Auffrischungsimpfung („Impf-Booster“) bekommen. Auch alle Personen, die bislang nur mit einem Vektorimpfstoff („Johnson & Johnson“, „Astrazeneca“) geimpft wurden, können ab sechs Monate nach der zweiten (bei J&J nach der ersten) Impfung eine Auffrischung mit einem mRNA-Impfstoff erhalten. Die Auffrischungen nehmen ausschließlich die Hausärzt:innen vor.

Blick über die Stadtgrenze

Nach Angaben des RKI belegt Hagen mit einer Inzidenz von 1336 heute Platz 5 (Vorwoche: 25) aller 53 Landkreise und kreisfreien Städte in Nordrhein-Westfalen. Bundesweit belegen wir Platz 26 (Vorwoche: 80) der am stärksten betroffenen von allen 412 Städten/Kreisen.

Die durchschnittliche Wocheninzidenz in Nordrhein-Westfalen sinkt laut MAGS nun bereits die dritte Woche in Folge wieder auf jetzt 81,8 (Vorwoche: 106,9). Am stärksten betroffen sind in Deutschland die Kreise Traunstein (218,0) und Berchtesgadener Land (217,2) sowie Neustadt an der Weinstraße (193,2). Die vorderen Plätze in NRW belegen der Kreis Lippe (179,8) sowie die Städte Wuppertal (169,0) und Leverkusen (149,5).

In NRW liegen heute nur noch 10 (Vorwoche: 32) Kreise/Städte über der Inzidenz 100, sowie 46 (Vorwoche: 53) über der Inzidenz 50 und 52 (Vorwoche: 53) über Inzidenz 35. In Hagens Nachbarschaft sind die Inzidenzen überall gesunken: Stadt Dortmund 89,7 (Vorwoche: 114,2); Kreis Unna 54,1 (Vorwoche: 69,4); Ennepe-Ruhr-Kreis 80,5 (Vorwoche: 116,0); Märkischer Kreis 107,4 (Vorwoche: 119,2).

Auch bundesweit geht die durchschnittliche Inzidenz wieder zurück auf jetzt 74,7 (Vorwoche: 83,8). In ganz Deutschland liegen noch 77 (Vorwoche: 113) Städte/Kreise über 100, 290 (Vorwoche: 307) über 50 und 351 (Vorwoche: 361) über 35.

Urlaub und Reisen

Wer über 12 Jahre alt ist und nach Deutschland einreist, egal aus welchem Land und mit welchem Verkehrsmittel, muss über ein aktuelles negatives Testergebnis, einen Impfnachweis oder einen Genesenennachweis verfügen.

Wer aus einem ausländischen Hochrisikogebiet einreist, muss sich darüber hinaus zuvor bei der Bundesregierung anmelden und sich unmittelbar nach der Ankunft am deutschen Wohnort für zehn Tage in häusliche Quarantäne begeben. Die Quarantäne kann ggf. durch einen negativen Test auf fünf Tage verkürzt werden.

Seit dem 12. September gelten Bosnien und Herzegowina, Grenada, Nicaragua und die norwegischen Provinzen Oslo und Viken als neue Hochrisikogebiete. Von der Liste der Hochrisikogebiete gestrichen wurden hingegen Argentinien, Bolivien, Ecuador, die französischen Regionen Korsika und Okzitanien sowie das französische Übersee-Departement Réunion, die griechischen Regionen Kreta und Südliche Ägäis, Namibia, Oman, Paraguay sowie Peru.

Aktuelle Regeln in Hagen

Die 7-Tage-Inzidenz als alleiniges Maß für neue Corona-Schutzmaßnahmen hat ausgedient. Das wurde bereits im August von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) angekündigt und nun auch vom Land Nordrhein-Westfalen in einer neuen Corona-Schutzverordnung festgelegt, die seit Montag, 13. September, gilt.

Grundsätzlich bleiben jedoch in ganz NRW die bisherigen allgemeinen Regelungen und deren Verschärfungen für Inzidenzen über 35 landesweit bestehen. Im Detail könnt diese Corona-Regeln hier nachlesen.

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