Lesezeit: ca. 5 Minuten

Seit genau einer Woche sinken die Infektionszahlen in Hagen nun mit zunehmender Geschwindigkeit – und damit geht auch die 7-Tage-Inzidenz stetig zurück. Aktuell liegt diese nach Angaben der Stadt Hagen bei 141,0. Der für weitere Maßnahmen bzw. deren Lockerung entscheidende Wert nach Berechnung des RKI sieht uns derzeit sogar bereits bei 131,4. Sollte die Inzidenz innerhalb der kommenden Woche nicht wieder über 150 steigen oder sogar weiterhin so schnell fallen, sind in einer Woche auch in unserer Stadt Lockerungen wie bereits in vielen Orten NRWs möglich. Doch es gibt nicht nur Grund zur Freude: Weiterhin müssen viele schwerst an Covid-19 Erkrankte auf den Hagener Intensivstationen behandelt werden. Mit drei neuen Todesfällen sind seit Beginn der Pandemie in Hagen jetzt 300 Menschen in Zusammenhang mit einer Corona-Infektion gestorben.

Diagramm Infektionsursprung
Grafik: Stadt Hagen

Aus der elften Corona-Wochenstatistik der Stadt Hagen, die diesmal für den Zeitraum von 11. bis 17. Mai vorliegt, geht hervor, dass trotz eines erneuten leichten Rückgangs noch immer viele Infektionen einen unklaren Ursprung haben, also nicht zurückverfolgt werden können: der Anteil des „diffusen“ Infektionsgeschehens liegt bei 29,1 Prozent (Vorwoche: 32,4 Prozent). Immer mehr Leute stecken sich hingegen am Arbeitsplatz an, jetzt 7,5 Prozent (Vorwoche: 6,0 Prozent). Distanzunterricht und Notbetreuung machen sich weiter bemerkbar: Erneut keine (Vorwoche: 0,0 Prozent) der neuen Infektionen sind auf Schule oder Kita zurückzuführen. 4,7 Prozent (Vorwoche: 1,2 Prozent) der Infektionen erfolgten jedoch im medizinischen bzw. pflegerischen Bereich. Keine Neuansteckungen (Vorwoche: 0,5 Prozent) sind auf Gemeinschaftseinrichtungen zurückzuführen. Mit 58,7 Prozent (Vorwoche: 60,0 Prozent) erfolgt weiterhin der mit Abstand größte Anteil der Ansteckungen im privaten Umfeld, also beispielsweise zu Hause in der Familie oder bei Treffen mit Freund*innen und Verwandten.

Erneut wurden mit sinkenden Infektionszahlen auch weniger PCR-Tests in Hagen durchgeführt: In der Kalenderwoche 19 untersuchten Labore 1.643 Hagener Corona-Proben (Vorwoche: 1.824), von denen 31,7 Prozent (Vorwoche: 36,8 Prozent) positiv waren.

Kostenlose Schnelltests: Jetzt auch in Wehringhausen

Alle Bürger*innen in NRW haben die Möglichkeit, einmal pro Woche einen kostenlosen Corona-Schnelltest durchführen zu lassen. Diese erfolgen durch medizinisch geschultes Personal in einer stetig wachsenden Zahl von Test-Centern. Testen lassen darf sich nur, wer keine Symptome hat und nicht direkte Kontaktperson einer*s Infizierten ist. In diesen Fällen sind hausärztliche Praxen oder das Gesundheitsamt zuständig. Sollte ein Schnelltest positiv sein, muss ein Labortest erfolgen.

In Hagen gibt es mittlerweile 42 Test-Center (Vorwoche: 39) – darunter seit gestern auch eines an der Lange Straße in Wehringhausen. Ein Interview mit dem Betreiber lest ihr hier!

Vom 11. bis 17. Mai wurden an den Test-Centern insgesamt 21.012 (Vorwoche: 20.771) kostenlose Schnelltests durchgeführt. Bei 55 (Vorwoche: 54) wurde ein positives Ergebnis durch einen PCR-Test bestätigt, 16 (Vorwoche: 2) Tests waren „falsch positiv“.

Kennzahlen zur Pandemie in Hagen in den vergangenen sieben Tagen

Alter7-Tage-Inzidenz aktuellVorwoche
0-4 Jahre249,6228,8
5-14 Jahre272,3323,4
15-34 Jahre166,1313,7
35-59 Jahre110,5227,4
60-79 Jahre63,592,8
über 80 Jahre57,972,3

Betrachtet man die dem RKI gemeldeten Zahlen in Bezug zum Anteil der Altersgruppen an der Gesamtbevölkerung, zeigt sich, dass diese in beinahe allen Altersgruppen deutlich sinken – nur bei Kleinkindern gibt es einen Anstieg. Auch Kindern und Jugendliche sind trotz der weitgehend geschlossenen Schulen und Kitas in der Notbetreuung weiterhin überdurchschnittlich von Neuinfektionen betroffen. Die Infektionen von Senior*innen gehen wieder deutlich zurück, dennoch waren alle drei in dieser Woche in Hagen an COVID-19 verstorbenen Personen älter als 77 Jahre.

Mit 76,9 Prozent (Vorwoche: 68,2 Prozent) sind laut Angabe des Hagener Gesundheitsamtes nun mindestens drei Viertel aller Neuninfektionen in Hagen auf die Corona-Variante B.1.1.7 zurückzuführen. Bei der zuerst in Großbritannien festgestellten Mutation handelt es sich um seine sogenannte „Besorgniserregende Variante“ (Variant of Concern, VOC). Auch die Mutation B.1.351, die zuerst in Südafrika entdeckt wurde, ist eine VOC. Sie wurde in Hagen bei 0,5 Prozent (Vorwoche: 1,2 Prozent) der Neuinfektionen nachgewiesen. Erstmals in Hagen festgestellt wurde eine Infektion (0,3 Prozent) mit der sogenannten „brasilianischen“ Mutation P.1, ebenfalls eine VOC. Mit der zuerst in Zentralafrika entdeckten Mutation B.1.620 wurden keine neuen Infektionen (Vorwoche: 0,7 Prozent) in Laboruntersuchungen festgestellt. Bei 22,3 Prozent der positiven Test konnte keine Mutation des Corona-Virus SARS-CoV-2 nachgewiesen werden, was allerdings auch an einer nicht ausreichenden Virenmenge in der jeweiligen Probe liegen kann.

In den vergangenen sieben Tagen wurden von der Stadt Hagen insgesamt 266 (Vorwoche: 426) Neuinfektion gemeldet. Die gemeldeten Fälle der Stadt und damit auch die Inzidenz unterscheidet sich noch immer auffällig von den Angaben des RKI. In der Vergangenheit wurden diese Differenzen durch einen Verzug bei der Erfassung der Fälle verursacht. Werden Fälle verzögert gemeldet, fließen diese in die Berechnung der Bundesbehörde nicht mehr ein.

Die Wocheninzidenz liegt laut Zählung der Stadt Hagen heute bei 141,0 (Vorwoche: 225,8). Aktuell gelten in Hagen 639 (Vorwoche: 796) Personen offiziell als ansteckend und befinden sich, wie auch ihre nächsten 516 (Vorwoche: 580) Kontaktpersonen, in Quarantäne.

In der vergangenen Woche sind in Hagen 3 (Vorwoche: 3) Todesfälle in Zusammenhang mit einer Corona-Infektion gemeldet worden. Die Gesamtzahl der Toten steigt damit auf 300 seit Beginn der Pandemie.

Auf den Hagener Intensivstationen wurden in der vergangenen Woche täglich im Schnitt 13 (Vorwoche: 12) schwerkranke COVID-19-Patient:innen behandelt, von denen durchschnittlich 8 (Vorwoche: 7) invasiv beatmet werden mussten. Von den durchschnittlich 77 (Vorwoche: 78) Intensivbetten in Hagen standen täglich etwa 7 (Vorwoche: 4) zur Verfügung, was 9,0 Prozent (Vorwoche: 5,1 Prozent) entspricht. Weniger als 15 Prozent freie Intensivbetten stuft das RKI als kritisch ein. Nur das Allgemeine Krankenhaus und die Klinik Ambrock, letztere eingeschränkt, melden derzeit noch freie Intensivbetten, während alle anderen Hagener Kliniken komplett ausgelastet sind.

Laut Angaben der KVWL haben bislang 89.453 (Vorwoche: 81.056) Hagener*innen die erste Schutzimpfung gegen COVID-19 bekommen, was etwa 47 Prozent aller Hagener*innen sind. Vollständig geimpft sind nun 26.182 (Vorwoche: 19.845) Personen und damit mehr rund 14 Prozent der Hagener Bevölkerung. In diesen Zahlen sind die Impfungen in hausärztlichen Praxen, im Hagener Impfzentrum und durch die mobilen Teams der KVWL (etwa in Pflegeeinrichtungen oder beim Rettungsdienst) enthalten. Impfungen, die in den Hagener Krankenhäusern erfolgt sind, sind in der Zahl nicht enthalten.

Mit 426 Impfungen war die Impfaktion am Freitag, 14. Mai, am Torhaus Haspe ein guter Erfolg. Ähnlichen Aktionen in der vorherigen Woche hatten in Wehringhausen mit nur 160 und in Altenhagen mit 366 Personen hingegen noch weniger Impfwillige angelockt. Vornehmlich richteten sich die Aktionen, bei denen das Vakzin von „Johnson & Johnson“ verabreicht wurde, an Menschen in prekären Wohnsituationen. Bei allen Terminen wurden aber grundsätzlich alle Hagener*innen geimpft, die über 60 Jahre alt sind oder einer Impfung mit dem Vektorimpfstoff, von dem nur eine Dosis nötig ist, nach einer ärztlichen Beratung ausdrücklich zustimmten. Ein weiterer Stadtteil-Impftermin findet am Freitag, 28. Mai, von 12 bis 16 Uhr vor dem Rathaus in Hohenlimburg, Freiheitstraße 3, statt.

Kitas und Schulen

Zwar befinden sich die Kitas und Schulen in Hagen aufgrund der extrem hohen Inzidenz weiterhin in der Notbetreuung bzw. im Distanzunterricht. Dennoch waren auch in dieser Woche einige Einrichtungen von COVID-19-Infektionen betroffen.

Zu neuen Quarantänemaßnahmen kam es an der Henry-van-de-Velde-Grundschule (Remberg), der Grundschule Geweke (Haspe) und der Kipper-Grundschule (Haspe). In der AWO-Kita Königskinder (Altenhagen) mussten gleich zweimal innerhalb einer Woche Gruppen geschlossen werden.

Blick über die Stadtgrenze

Nach Angaben des RKI liegt Hagen jetzt und lag auch im Wochenverlauf mit einer Inzidenz von 131,4 (Vorwoche: 215,7) unverändert auf Platz 1 (Vorwoche: 1) von 53 der Städte/Kreise mit der höchsten Inzidenz in Nordrhein-Westfalen. Bundesweit waren wir über die Woche hinweg und noch bis gestern in den „Top 10“ vertreten, sind heute jedoch auf noch Platz 17 (Vorwoche: 11) von 412 gefallen. Wir gehören zu den letzten 52 Städten/Kreisen in Deutschland, deren Inzidenz die 100 übersteigt.

Die durchschnittliche Wocheninzidenz in Nordrhein-Westfalen ist laut MAGS nun die vierte Woche in Folge deutlich gesunken auf jetzt 74,1 (Vorwoche: 103,4). Am stärksten betroffen ist heute nach Angaben des RKI weiterhin Hagen (131,4), gefolgt von Remscheid (121,2) und Leverkusen (118,5). In NRW liegen aktuell laut RKI 6 (Vorwoche: 26) Städte/Kreise über der Inzidenz von 100, davon keine einzige mehr über (Vorwoche: 5), über 165 (Vorwoche: 15) oder über 200 (Vorwoche: 1). In NRW liegen nun 47 Kreise (Vorwoche: 27) unter 100 sowie 7 (Vorwoche: 1) unter 50, außerdem 2 (Vorwoche: 0) wieder unter 35. In Hagens Nachbarschaft sind die Inzidenzen eine weitere Woche in Folge teils deutlich gesunken, überall sind Lockerungen möglich: Stadt Dortmund 78,5 (Vorwoche: 128,9); Kreis Unna 69,4 (Vorwoche: 121,8); Ennepe-Ruhr-Kreis 49,7 (Vorwoche: 75,0); Märkischer Kreis 93,4 (Vorwoche: 112,4).

Auch bundesweit ist die durchschnittliche Inzidenz erneut deutlich auf jetzt 67,3 (Vorwoche: 96,5) gesunken. In ganz Deutschland melden nur noch 2 (Vorwoche: 13) Städte/Kreise bzw. 0 Prozent eine extreme Infektionslage oberhalb einer Inzidenz von 200, insgesamt 52 (Vorwoche: 173) bzw. 12 Prozent liegen über 100, 9 (Vorwoche: 44) über 150 und 3 (Vorwoche: 27) über 165. Die Zahl der deutschen Städte und Kreise unterhalb einer Wocheninzidenz 50 steigt weiter auf 123 (Vorwoche: 45) bzw. 29 Prozent. Schon 47 (Vorwoche: 5) bzw. 11 Prozent aller Städte/Kreise haben derzeit die Inzidenz von 35 unterschritten.